Wien, die Nationalbibliothek und ein kleiner Koalabär

Seit einigen Tagen bin ich heil zurück aus Wien – auf dem Rückflug hat uns Sturmtief Niklas ordentlich durchgeschüttelt. Vollgestopft mit jeder Menge großartigen Eindrücken aus dieser schönen und irgendwie majestätischen Stadt wollte ich euch mein persönliches Highlight nicht vorenthalten: Den Prunksaal der österreichischen Nationalbibliothek.

Unter Kaiser Karl VI. wurde der Prunksaal zwischen 1723 und 1726 in seiner ganzen barocken Pracht errichtet. Der Saal hat eine Länge von 77,7 m, misst 14,2 m in der Breite und ist stattliche 19,6 m hoch. In den Bücherschränken aus Nussholz finden rund 200.000 Werke Platz, darunter alleine 15.000 aus dem Fundus des Prinzen Eugen von Savoyen.

Am liebsten würde ich sie alle mitnehmen.

Am liebsten würde ich sie alle mitnehmen.

Einer von vier Prunkgloben Vincenzo Coronellis

Einer von vier Prunkgloben Vincenzo Coronellis

Optische Spielereien mit Hilfe von Spiegeln waren im Barock beliebt.

Optische Spielereien mit Hilfe von Spiegeln waren im Barock äußerst beliebt.

Als wir dort waren fand gerade eine Sonderausstellung statt: „Wien 1365. Eine Universität entsteht“ (noch bis 3. Mai). Die Sammlung umfasst unter anderem mehrere prächtige, von Buchmalern illustrierte Schätze aus dem Mittelalter bis hin zur Renaissance. Immerhin durfte ohne Blitz fotografiert werden, und da der Saal durch Fenster und Lichtquellen gut ausgeleuchtet war, sind die Fotos viel besser geworden als erwartet.

So eine schöne Bibliothek sieht man wirklich selten und die Fotos können nur eine Ahnung davon vermitteln, wie  imposant und beeindruckend das Ensemble nicht nur auf Bücherfreunde wirkt. Der Name macht dem Gebäude definitiv alle Ehre.

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Leider haben wir die Eröffnung des neuen Literaturmuseums der Nationalbibliothek verpasst. Ab 18. April soll man hier „die ganze Vielfalt und Vielstimmigkeit der österreichischen Literatur von der Aufklärung bis in die unmittelbare Gegenwart“ bewundern können. Mehr Infos findet ihr unter dem folgenden Link: http://www.onb.ac.at/services/veranstaltungen_detail.php?id=838

Aber Wien haben wir auch hoffentlich nicht zum letzten Mal besucht. 🙂

Ach ja: Im wunderschön gestalteten Tiergarten auf dem Gelände von Schloss Schönbrunn ist uns übrigens dieser schläfrige Zeitgenosse hier über den Weg gelaufen.

Da ich wegen urheberrechtlicher Überlegungen schon länger auf der Suche nach einem Ersatz für meinen Bewertungscoon bin, findet ihr ab sofort unter jeder Rezension den gemütlichen Koala. Süß ist er ja, da fällt der Abschied vom Waschbären nicht allzu schwer…

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Wissenswertes: Schnellleseapp „Spritz“

Vor fast zwei Wochen habe ich diesen lesenswerten Artikel zur Schnelllese-App „Spritz“ (was für ein Name…) im Netz gefunden.

Interessant ist das ja schon: Wenn ihr euch das Video anschaut, in dem eine kleine Demonstration der Lesegeschwindigkeiten, die man erreichen kann, geboten wird, ist das äußerst beeindruckend. Dass es funktioniert ist wohl unbestritten. Das Prinzip ist folgendes: Auf dem Bildschirm erscheint nacheinander jedes Wort einzeln, wobei circa in der Mitte ein Buchstabe farbig hervorgehoben ist. Indem sich das Auge dann auf die Mitte konzentriert, können die einzelnen Wörter schneller erfasst werden, als wenn das Auge, wie beim normalen Lesen, ständig von links nach rechts wandern und Zeilensprünge (auch genannt: Sakkaden) machen muss. Das steigert die Geschwindigkeit enorm und ist auch sehr angenehm fürs Auge, wie ich fand.

Es gibt aber ein gravierendes Problem: Das Textverständnis leidet darunter. Das behauptet zumindest der im Artikel interviewte Wissenschaftler Ralf Engbert, der aktuell an der Uni Potsdam zum Thema „Blicksteuerung beim Lesen“ forscht.

Tatsächlich erscheint das logisch: Dadurch, dass die Wörter nur einzeln und im Schnelltempo an einem vorbeirauschen, bleibt keine Zeit, das Gelesene zu reflektieren. Schwierige Passagen oder solche, über die man noch einmal nachdenken möchte und die man im Fließtext einfach noch einmal liest, stellen hier natürlich ein Problem dar. Selbst wenn man stoppen und „zurückspulen“ könnte (keine Ahnung, ob das möglich ist) würde das letzten Endes wohl doch mehr Zeit und Mühe bedeuten, als wenn die Augen einfach im Text zurückspringen können. Das gilt wohl besonders, wenn man noch einmal kurz zu einem bestimmten Absatz von vor ein paar Seiten zurückgehen möchte, um sich z.B. etwas klarer zu machen oder einem bestimmten Hinweis nachzugehen, den man ein wenig überlesen hatte.

Zusammenfassend erklärt Engbert:

[…] mit Spritz lassen sich Texte ja tatsächlich schneller lesen. Man darf nur nicht erwarten, dass das Zauberei ist, und man dieselben Informationen einfach nur schneller aufnimmt. In der Regel geht jede Geschwindigkeitssteigerung auf Kosten des Verständnisniveaus.

Das Lesen der Zukunft? Kaum vorstellbar. Aber wer weiß: Schließlich leben wir nicht umsonst nach dem Prinzip „schneller, höher, weiter“…

Was denkt ihr über das Thema?

Kindle Gratis-Tage und die Buchpreisbindung

Der eine oder andere Kindle-Besitzer hat sich sicherlich gefreut, als er endeckt hat, dass ihm um den Jahreswechsel herum jeden Tag ein neues E-Book zum freien Download angeboten wurde. Mit von der Partie waren eine ganze Reihe aktueller Bestseller: Die sind doch definitiv noch keine Kandidaten für eine Ladenpreisaufhebung…

Auch unter Kollegen kam unweigerlich die Diskussion auf: Ist so eine Aktion denn überhaupt erlaubt?

Grundsätzlich herrscht in Deutschland nämlich eine Preisbindung. Verlage sind dazu verpflichtet, für ihre Bücher Preise an den Endabnehmer festzusetzen, die jeder Händler im Verkauf respektieren muss: Bücher sollen überall dasselbe kosten. Ausnahmen sind beispielsweise die allseits beliebten Mängelexemplare.

Und wozu ist die Preisbindung gut?

Es gibt eine Menge guter Argumente für die Preisbindung: Sie hilft zum einen dabei, für einen fairen Wettbewerb im Buchgeschäft zu sorgen. Keine Preisschlachten, denen die kleinen Händler einfach nicht standhalten können. Doch die Konsequenz einer fehlenden Preisbindung für den Kunden ist vor allem die, dass sich diese nicht nur auf die Versorgung auswirkt, also die Buchhandelslandschaft deutlich ausgedünnt und einem gewaltigen Konzentrationsprozess unterworfen wird, sondern auch auf die Arbeit der Verlage, die die Bücher produzieren. Diese müssen mit immer weniger Geld planen, setzen dann natürlich vor allem auf gewinnbringende Bestseller und können nur noch selten neuen Autoren eine Chance geben: Das Angebot wird deutlich eingeschränkt. Auch werden Bücher, auf lange Sicht gesehen, wieder teurer.

Meinungsvielfalt und die Erschwinglichkeit von Büchern für jedermann sind zwei große Anliegen der Preisbindung.

Wie es ohne läuft, kann man am Beispiel USA gut feststellen: Große Ketten dominieren den Markt fast vollständig und wer schon einmal ein englisches Taschenbuch in der Hand gehalten hat, der weiß, dass schon alleine die Papierqualität nicht wirklich die beste ist.

Wie kann jetzt also Amazon einfach kostenlos E-Books anbieten? Auch E-Books fallen nämlich unter die entsprechende Gesetzgebung. Tatsächlich findet sich auf der Homepage des Börsenvereins des deutschen Buchhandels (Preisbindungsglossar) folgender Passus:

„Geschenke, d. h. Zuwendungen, die nicht an den Kauf eines Buches gekoppelt sind, sind preisbindungsrechtlich nicht zu beanstanden. Dies gilt im Prinzip auch dann, wenn Bücher verschenkt werden.“

Ein nettes kleines Schlupfloch: Solange man die Bücher nicht zu günstigeren Preisen anbietet, sondern komplett kostenfrei, ist dies erlaubt. Immerhin folgt noch der Zusatz:

„Bedenken können sich in diesem Fall allenfalls aus wettbewerbsrechtlichen Gesichtspunkten ergeben.“

Die Kindle-Aktion ist also „legal“, wenn auch aus meiner Sicht bedenklich. Sicherlich freut sich jeder von uns über ein paar kostenlose Titel. Allerdings könnte man dann auch bald wieder nachdenklich werden und sich daran erinnern, worum es eigentlich bei der Preisbindung geht…und vielleicht einmal wieder den guten alten Buchladen um die Ecke besuchen 😉

Link zum Preisbindungsgesetz:

http://www.boersenverein.de/de/portal/Preisbindungsgesetz/158337