Eine kurze Geschichte der Zukunft, Stephen Clarke

Das kennen sicher einige unter euch: Manchmal hat man nicht wirklich viel Lust, etwas zum gerade Gelesenen zu schreiben und es fällt einem auch nicht wirklich viel dazu ein. Trotzdem wage ich den Versuch. Vor einigen Jahren habe ich Clarkes Satire „Ein Engländer in Paris“ (Erstveröffentlichung 1985), das ich anlässlich meines Auslandsaufenthalts in Frankreich geschenkt bekommen hatte, mit einem dicken Schmunzeln gelesen. „Eine kurze Geschichte der Zukunft hat er vor diesem Durchbruch geschrieben und es damals im Selbstverlag herausbringen müssen, da es niemand drucken wollte. Nach der Lektüre muss ich sagen, dass ich das nicht so ganz überraschend finde.

Darum geht’s:

Richie betreibt mit seinem windigen, aber charmanten Bruder Martin einen kleinen Computerspielladen, der eigentlich mehr als Tarnung für Martins Hackerdienste gedacht ist. Seine Frau Clara hält nicht viel von Martin, denn der zieht seinen kleinen Bruder immer wieder mit verkorksten und riskanten Schnapsideen tief in den Schlammassel. Nebenbei versucht sich Richie bislang eher erfolglos als Schriftsteller (na, wenn das mal nicht autobiographisch gefärbt ist) und bastelt als bekennender Science Fiction Fan an einem Roman über Star Trek und seine Impulse für die Technik der Gegenwart und Zukunft. Da stolpert ausgerechnet er in einem New Yorker Laden über einen echten Teleporter und bringt ihn mit heim ins Vereinigte Königreich. Auch vor Martin lässt sich das aufregende Gerät natürlich nicht lange geheim halten und eine Kette komisch-dramatischer Ereignisse verselbstständigt sich, die neben einer Gruppe amerikanischer Wissenschaftler auch die britische Premierministerin, den amerikanischen Präsidenten und einen zwielichtigen Drogenhändler samt Esel involvieren…

Fabelhaftes:

Also, die Grundidee fand ich – ebenfalls bekennender Star Trek Fan – eigentlich ganz originell. So lange man nicht nach Erklärungen sucht, wie ein echter Teleporter seinen Weg in einen ganz normalen Laden findet und warum diese Sensation insgesamt später nicht noch viel größere Furore auslöst (ersteres wird später beantwortet, aber so richtig verstanden habe ich die Erklärung nicht).

Die vielen Anspielungen auf Star Trek und die restliche Science Fiction Welt habe ich gerne gelesen und auch ein paar interessante Dinge über den tatsächlichen Einfluss von Science Fiction auf die Forschung waren faszinierend – das hätte ruhig noch etwas mehr sein dürfen. Aber natürlich war das Buch in erster Linie ja als Satire gedacht.

Weniger Fabelhaftes:

Tja, Satire: So richtig lachen konnte ich selten – dabei wollte ich zur Abwechslung mal bewusst etwas richtig Witziges lesen. Dafür ist der Plot jedoch immer wieder zu sehr ins Absurde abgeglitten, einiges ging unter die Gürtellinie, viele Passagen zogen sich endlos dahin und die Handlungsstränge liefen wirr durcheinander. Nicht immer war klar, wohin die Reise eigentlich gehen sollte. Ein paar vereinzelte Gags konnten zünden und es gab sicher komische Momente und Situationen, doch das trug nicht über die deutlichen Längen hinweg. Gerade die schrägen Charaktere, die offenbar für den Witz zuständig sein sollten, wie der chaotische Martin oder der cholerische Drogenhändler mit seiner Vorliebe für Esel enthüllten im Laufe der Zeit eine tragische Seite, die für mich nicht so recht zum Tenor gepasst hat. Tatsächlich kann man den Humor insgesamt als sehr britisch beschreiben, jedoch hat der Autor den Fehler gemacht, diesen viel zu dünn gesät in einem langwierigen Plot untergehen zu lassen. „Ein Engländer in Paris“ war humortechnisch außerdem weitaus feinsinniger.

Summa summarum:

Stephen Clarkes Frühwerk wusste mich leider nicht zu überzeugen: Eine Prise britischer Brachialhumor und ein paar kreative Ansätze machen leider noch keinen Lesespaß aus, so lange man diese nicht gut und knackig in einem stimmigen Plot verpacken kann. Ich vergebe drei Koalas, hauptsächlich wegen der guten Ideen.

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Verlag: Piper * TB * Januar 2011 * 361 Seiten * 978-3-492-25959-0

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