The woman who went to bed for a year, Sue Townsend

Darum geht’s:

Eva ist seit vielen Jahren aufopferungsvoll für alle da: Für ihren gefühlkalten und ichbezogenen Mann, den Astronom Dr. Brian Beaver, für die sozialphobischen, undankbaren aber hochbegabten Zwillinge Brian (jun.) und Brianne. Sie steckt ein, wenn ihre nervige Mutter Ruby oder die mindestens ebenso gefühllose Schwiegermami Yvonne sie mal wieder für ihre Unperfektheit rügen. Doch dann kommt der Tag, an dem die Kinder zum Studieren ausziehen. Eva hat die Nase voll von allem und jedem. Sie legt sich ins Bett. Und wird es ein ganzes Jahr lang nicht mehr verlassen…

Fabelhaftes:

  • Herrlich schräge Charaktere, die mit viel Witz, aber auch scharfer Zunge gezeichnet werden. Evas leidvoller Kosmos erschließt sich dem Leser nur langsam und es treten immer neue „Plagegeister“ auf den Plan: Brians langjährige Geliebte, seine voluminöse Kollegin Titania, die ohne Rücksicht auf Verluste reinen Tisch machen will. Eine neue „Freundin“ der Zwillinge, die durchtriebene Poppy, die es ebenfalls auf Dr. Beaver (allerdings eher auf seine Kohle) abgesehen hat. Last but not Least wird die Öffentlichkeit aufmerksam auf die Frau, die so radikal ihre eigene Welt angehalten hat – und mit den ersten Berichten tauchen unweigerlich die ersten Spinner unter Evas Fenster auf…
  • Das Buch trieft vor Sarkasmus und schildert mit einem einzigartig bösen Humor die persönliche Hölle eines ungeschätzten Daseins als Hausfrau und Mutter. Eine der schönsten Szenen: Als Eva ihrem Mann das letzte Weihnachtsfest aus ihrer ganz eigenen Perspektive schildert – und ihm ein „Handbuch“ zusammenstellt, damit er das nächste selbst ausrichten kann – womit er natürlich gnadenlos überfordert ist.

Weniger Fabelhaftes:

An einigen Stellen wirken Handlung und Charaktere dann doch etwas überzeichnet. Auch die zart entwickelte Liebesgeschichte zum Rastazöpfe tragenden Gelegenheitsjobber Alexander, den als einzigen Evas Schicksal zu scheren scheint, passt da irgendwie nicht ganz hinein und wirkt kitschig. Das sind aber schon die einzigen Kritikpunkte.

Summa summarum:

Eine gebeutelte Frau zieht die Reißleine – und stürzt damit die ganze Familie ins Chaos. Herrlich böse, im Grunde tieftraurig, doch immer unterhaltsam, von der ersten bis zur letzten Seite. Vier Koalas.

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Verlag: Penguin * TB * 2012 *437 Seiten * 978-0-718-19452-9

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