Wissenswertes: Schnellleseapp „Spritz“

Vor fast zwei Wochen habe ich diesen lesenswerten Artikel zur Schnelllese-App „Spritz“ (was für ein Name…) im Netz gefunden.

Interessant ist das ja schon: Wenn ihr euch das Video anschaut, in dem eine kleine Demonstration der Lesegeschwindigkeiten, die man erreichen kann, geboten wird, ist das äußerst beeindruckend. Dass es funktioniert ist wohl unbestritten. Das Prinzip ist folgendes: Auf dem Bildschirm erscheint nacheinander jedes Wort einzeln, wobei circa in der Mitte ein Buchstabe farbig hervorgehoben ist. Indem sich das Auge dann auf die Mitte konzentriert, können die einzelnen Wörter schneller erfasst werden, als wenn das Auge, wie beim normalen Lesen, ständig von links nach rechts wandern und Zeilensprünge (auch genannt: Sakkaden) machen muss. Das steigert die Geschwindigkeit enorm und ist auch sehr angenehm fürs Auge, wie ich fand.

Es gibt aber ein gravierendes Problem: Das Textverständnis leidet darunter. Das behauptet zumindest der im Artikel interviewte Wissenschaftler Ralf Engbert, der aktuell an der Uni Potsdam zum Thema „Blicksteuerung beim Lesen“ forscht.

Tatsächlich erscheint das logisch: Dadurch, dass die Wörter nur einzeln und im Schnelltempo an einem vorbeirauschen, bleibt keine Zeit, das Gelesene zu reflektieren. Schwierige Passagen oder solche, über die man noch einmal nachdenken möchte und die man im Fließtext einfach noch einmal liest, stellen hier natürlich ein Problem dar. Selbst wenn man stoppen und „zurückspulen“ könnte (keine Ahnung, ob das möglich ist) würde das letzten Endes wohl doch mehr Zeit und Mühe bedeuten, als wenn die Augen einfach im Text zurückspringen können. Das gilt wohl besonders, wenn man noch einmal kurz zu einem bestimmten Absatz von vor ein paar Seiten zurückgehen möchte, um sich z.B. etwas klarer zu machen oder einem bestimmten Hinweis nachzugehen, den man ein wenig überlesen hatte.

Zusammenfassend erklärt Engbert:

[…] mit Spritz lassen sich Texte ja tatsächlich schneller lesen. Man darf nur nicht erwarten, dass das Zauberei ist, und man dieselben Informationen einfach nur schneller aufnimmt. In der Regel geht jede Geschwindigkeitssteigerung auf Kosten des Verständnisniveaus.

Das Lesen der Zukunft? Kaum vorstellbar. Aber wer weiß: Schließlich leben wir nicht umsonst nach dem Prinzip „schneller, höher, weiter“…

Was denkt ihr über das Thema?

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