Eine Frau ohne Bedeutung, Oscar Wilde

978-3-15-018066-2Zeit für ein paar Weihnachtsgrüße an alle Mitleser da draußen! Ich hoffe, ihr hattet schöne und ruhige Festtage bzw. habt sie noch!

Heute also eine Festtagsrezi.

Und schon wieder Oscar Wilde! Aber das ist eher „Zufall“, denn diese Wahl passt, wieder einmal, zur bereits erfüllten Buntes-Allerlei-Challenge. Ich arbeite nun fleißig auf ein zusätzliches Los im Eimer hin. Gelesen habe ich eine deutsche Übersetzung von Reclam, die mit nur knapp hundert Seiten Text im Nu verschlungen war. „Eine Frau ohne Bedeutung“ (engl: „A woman of no importance“) ist ein Theaterstück in vier Akten, überschrieben mit dem Label „Gesellschaftskomödie“.

Der Plot an sich ist sehr einfach, schnell erzählt, und die Geschichte kommt erst nach ca. der Hälfte des Stücks richtig ins Rollen: Lady Hunstanton hat, wie in ihren Kreisen üblich, mal wieder eine erlauchte Gesellschaft auf ihren Landsitz geladen. Mit dabei sind aber auch einige Charaktere, die aus dem gewohnten Rahmen fallen: So beispielsweise die amerikanische Waise Hester Worsley, der Parlamentsabgeordnete Kelvil oder der junge Bankangestellte Gerald Arbuthnot. Gerade hat Lord Illingworth bekanntgegeben, dass er Gerald die Ehre zukommen lässt, zu seinem Privatsekretär aufzusteigen. Da tritt dessen Mutter, Mrs. Arbuthnot, auf den Plan, die ihre ganz eigenen Gründe hat, ein solches Arrangement zu verhindern…

Der Konflikt, um den es in der zweiten Hälfte geht, und das obligatorische anrüchige Geheimnis des angesehenen Lord Illingworth sind beinahe Nebensache. Im Grunde führt Wilde eine Reihe unterschiedlichster Charaktere und Stereotype auf dem Landsitz vor, die, je nach Naturell, hitzig debattieren, giftig intrigieren, sich köstlich amüsieren oder einfach nur ihre Dummheit und Ignoranz zur Schau stellen dürfen: Da wären die naive, aber gutmütige Lady Hunstanton, die „femme fatale“ Mrs. Allonby, die sich im Schlagabtausch mit dem nicht minder harmlosen Dandy Lord Illingworth sichtlich wohl fühlt. Dann die konservative Giftspritze, Lady Pontefract, die ihren Gatten völlig unter dem Pantoffel hat. Miss Worsley wiederum versucht in flammenden Reden die gesamte englische Gesellschaft jener Zeit zu kritisieren, was ihr von Seiten der anderen Damen nur ein lapidares Schulterzucken einbringt. Daneben existieren noch weitere Charaktere, deren Rollen jedoch wesentlich geringer ausfallen.

Wilde ist ein sehr kurzweiliger und ironischer Seitenblick auf die damalige Gesellschaft gelungen. Für meinen Geschmack fast zu kurzweilig, denn die zahlreichen Figuren erhalten oft nur einen äußerst begrenzten Raum. Interessant ist, dass in diesem Stück (abgesehen vielleicht von Illingworth) vor allem die Damenwelt zu Wort kommt, und dass, obwohl sich einige Herren auf der Gesellschaft befinden. Die Ironie dabei ist allerdings, dass keine dieser Damen etwas wirklich Relevantes zu sagen hätte, mit Ausnahme der Außenseiterin Miss Worsley. Schon in „The picture of Dorian Gray“ ist mir aufgefallen, dass Wilde an Frauen kaum ein gutes Haar lässt. Doch immerhin: Am Ende darf eine Vertreterin des „schwachen Geschlechts“ den Sieg davontragen. 🙂

„Eine Frau ohne Bedeutung“ reicht nicht ganz an „The picture of Dorian Gray“ heran. Witzig und geistreich ist das Stück aber in jedem Fall.

Verlag: Reclam * TB * 2000 * 107 Seiten * 978-3-15-018066-2
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