Die Brandungswelle, Claudie Gallay

Die Brandungswelle von Claudie GallaySo langsam wird es Zeit für einen Endspurt in der „BuntesAllerlei“ Challenge. 🙂

Mittlerweile ist es ein paar Wochen her, dass ich „Die Brandungswelle“ ausgelesen habe, und leider muss ich feststellen, dass das Buch keinen wirklich bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat:

Die namenlose Ich-Erzählerin ist nach dem Tod ihres geliebten Mannes in die Einsamkeit der französischen Atlantikküste geflüchtet, in das kleine Örtchen La Hague, nur bekannt für sein raues Klima – und den kurzfristigen Aufenthalt des Dichters Jacques Prévert, von dem einer der Nebencharaktere, Monsieur Anselme, nahezu besessen scheint, bietet der Ort doch sonst keinerlei Spur von Glamour. Die Protagonistin arbeitet als Ornithologin, zählt die meiste Zeit Vögel und lässt ihre Wunden heilen.

Dann wird die triste Ereignislosigkeit im Ort durch einem Orkan jäh unterbrochen-und mit ihm kommt Lambert nach La Hague, der noch als Kind fortgegangen ist. Der Tod seiner Familie auf dem Meer vor vielen Jahren hat ihm immer noch keine Ruhe gelassen. Er verdächtigt den damaligen Leuchtturmwärter, den alten Théo, das Licht ausgeschaltet zu haben und somit für das Bootsunglück unmittelbar verantwortlich zu sein. Doch nicht nur Théo hütet seine Geheimnisse und bald schon werden tiefe Gräben in der scheinbar friedlichen Dorfgemeinde sichtbar…

Vom Ansatz her hätte Claudie Gallay einen richtig guten Krimi aus diesem Buch stricken können. Hat sie aber leider nicht. Es sollte wohl eher eine Charakterstudie der leicht eigenen, verschlossenen Dorfbewohner sein, hinter deren Fassaden sich unerwartete Abgründe verbergen. Doch werden dafür, einerseits, viel zu viele Persönlichkeiten nur grob angeschnitten und man wartet vergeblich auf eine Involvierung in den „Skandal“. Andererseits sind die Enthüllungen über die restlichen Personen am Ende nicht wirklich spektakulär, so dass ich weder erschüttert noch sonderlich überrascht gewesen wäre.

Es fiel mir zwischendrin schwer, bei der Stange zu bleiben. Zwar sind viele der Menschen im Ansatz interessant beschrieben, doch wartet man, wie gesagt, bei den meisten vergeblich auf irgendeine Entwicklung oder eine Erklärung des zum Teil sehr merkwürdigen Verhaltens. Die gesamte Gemeinde erinnerte mich an eine Gruppe eher harmloser Spinner. So richtig normal wirkte niemand. Wenn Gallay uns zeigen wollte, dass ein ödes, ereignisloses Dorfleben zwangsläufig einen solchen Schlag Mensch hervorbringt, dann ist ihr das gut gelungen. Und doch hinterfrage ich es, da ich es für übertrieben halte.

Handwerklich schön sind die metaphorischen Parallelen zwischen dem unbarmherzigen Atlantikklima La Hagues und den Charakteren und Ereignissen. Leider bedeutet dies jedoch auch, dass dem Buch die Kargheit und nicht vorhandene Wärme dieses Landstriches anhängen. Nichts, was sich gut im trüben Winter lesen lässt, wenn man nicht noch mehr frieren möchte, sowohl äußerlich als auch innerlich.

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Verlag: btb * TB * Dezember 2011 * 360 Seiten * 978-3-442-74313-1
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