Öffentliche Mülleimer dürfen nicht sexuell belästigt werden, Justus Richter

Richter MŸlleimer fin.inddSammlungen kurioser Gesetzestexte existieren im Internet zuhauf, wie Autor Justus Richter in seinem kurzen Vorwort selbst feststellt. Wozu also noch dieses Buch? Ganz einfach: Weil man sich die scharfzüngige Kommentierung derselben nicht entgehen lassen sollte. Besonders schön sind die Spekulationen, wie um alles in der Welt es bloß zu dieser und jener absurden Verordnung kommen konnte. Außerdem ist nicht alles nur reiner Spaß, denn Richter versäumt nicht, bei manchen der auf den ersten Blick absolut überflüssig erscheinenden Gesetze den Kontext aufzuzeigen und zu verdeutlichen, dass diese zu ihrer Zeit vielleicht doch nicht ganz so schräg und nutzlos waren, wie sie uns heute erscheinen.

Im Zentrum des Buches stehen insbesondere amerikanische Gesetze. Dies hängt mit dem hiesigen Rechtssystem zusammen, da in den USA auch noch die kleinste Stadt eigene Verordnungen kreieren darf, was natürlich zuweilen merkwürdige Blüten treiben kann. Darunter fallen auch zahlreiche, mehr als nur puritanisch anmutende Vorschriften aus dem sexuellen Bereich. Auch einige ziemlich veraltete und teilweise bis heute nie gestrichene Verordnungen, die unter die Überschrift „Benachteiligung der Frau“ fallen, sind nicht nur amüsant zu lesen sondern werfen ganz nebenbei noch ein Schlaglicht auf die weißen Flecken der Landkarte der Emanzipation. Dasselbe gilt für rassistische oder anderweitig diskriminierende Formulierungen und Vorschriften.

Durch den kurzweiligen Band führen mehrere thematisch orientierte Kapitel, in denen die Gesetze zu einem bestimmten Bereich gesammelt, kommentiert und in einer persönlichen Hitlist des Autors bewertet werden.

Ich hatte beim Lesen sehr viel Spaß und werde sicherlich noch manches Mal aus dieser Sammlung zitieren. 🙂

Ein paar illustrierende Beispiele dürfen zum krönenden Abschluss natürlich keineswegs fehlen – auch wenn die Auswahl echt schwer fällt…

Frauen, die an ihrem Arbeitsplatz Röcke tragen, ist es untersagt, Lackschuhe oder anderes Schuhwerk mit reflektierender Oberfläche zu tragen“ (Kommentar des Autors dazu: „wurde erlassen, da man der Meinung war, dass Männer in den Reflexionen der Schuhe möglicherweise einen verbotenen Blick auf die Unterwäsche der Damen erhaschen könnten“, S. 42)

Der Transport von sogenannten Goldfischen in einem städtischen Linienbus ist vom Fahrer zu unterbinden, sofern sich die Fische innerhalb ihres Transportbehälters für Fahrgäste sichtbar bewegen“ (S. 85)

Der als Satan, Teufel oder Leibhaftige (frei übersetzt, Anmerkung des Verfassers) bekannte Ungeist (…) ist nicht befugt, sich innerhalb der Grenzen des Ortes aufzuhalten, zu wirken oder den christlichen Geist der Gemeinde zu schänden.“ (S. 116). Dies gilt tatsächlich bis heute (und erst seit dem Jahr 2002) in Inglis, Florida…

So viel als Vorgeschmack.

Viele Grüße und ein schönes Restwochenende!

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Verlag: Bastei Lübbe * TB * Juli 2011 * 192 Seiten * 978-3-404-60246-9 
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