Irgendwas geht immer, Dawn French

9783548283777_cover„No. 1 Bestseller“ steht direkt oben drauf: Aus England. Möglich, dass mir der Humor einfach zu britisch war…Das Bedürfnis nach ein wenig leichter, witziger Unterhaltung hat mich jedenfalls zu „Irgendwas geht immer“ greifen lassen. Außerdem passte der kleine schwarze Hund, der übrigens auch mehrfach auf den Buchschnitten auftaucht, mal wieder gut zu meiner Challenge.

Es ist die Geschichte einer ganz „normalen“ Familie, den Battles. Jeder hat so seine Problemchen, doch im Zentrum – der Name „Battle“ ist Programm – stehen Übermutter Mo, eine besserwisserische Kinderpsychologin, und ihre pubertierende Tochter Dora, die hinter der harmlosesten Bemerkung eine tödliche Beleidigung wittert und ständig alles in den falschen Hals bekommt. Papa Deny und Sohn Peter halten sich da lieber raus. Das Familienoberhaupt verschwindet sogar so weit von der Bildfläche, dass es lediglich einmal im gesamten Buch als Erzähler auftreten darf. Der Rest der Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive der anderen drei erzählt, zumeist in recht kurzen Abschnitten.

Papa bleibt, wie gesagt, lieber unsichtbar. Peter hält sich für Oscar Wilde, kleidet und gibt sich dementsprechend und verliebt sich in Mamas neuen Praktikanten Noel. Auch Mo hat mit unerwarteten Frühlingsgefühlen zu kämpfen und natürlich mit Doras Eskapaden: Akute Lernunwilligkeit, Starallüren, gebrochene Herzen und und und. Mit von der Partie sind außerdem eine trächtige Hündin und eine Großmutter, die sich gerne einmischt, dafür aber den besten Kuchen der Welt backt. Die Rezepte, die am Ende des Buches stehen, sollte man vielleicht mal ausprobieren…

Wie schon im vorherigen Post erwähnt, floss der erste Teil eher zäh dahin. Im zweiten wurde es besser, die Geschichte gewann an Fahrt und man hatte mehr Lust, dranzubleiben. Für meinen Geschmack waren einige der Charaktere zu überdreht, um noch halbwegs realistisch zu wirken: Zum einen trifft das auf „Oscar“ zu, dessen Attitüden (insbesondere seine antiquierte Wortwahl) zwar konsequent durchgezogen wurden, mich aber irgendwie nicht so richtig überzeugen geschweige denn amüsieren konnten. Noch lebensferner wirkte Dora: Das Mädchen soll gerade 18 werden, steckt dennoch mitten in der Pubertät (?) und besitzt definitiv eher die Gemütswelt und die Naivität einer 13jährigen. Im Innersten ist sie extrem unsicher, schreit aber eigentlich permanent bloß jeden an, der ihr zu nahe kommt und bedient sich dabei eines äußerst deftigen Vokabulars. Auf Dauer nervt das nur noch und wirkt alles andere als komisch.

Gut gefallen hat mir hingegen die Figur der Mo, die einige typische Sorgen plagen: Wie soll sie nur mit ihren Sprösslingen zurechtkommen, die resistent gegen ihre therapeutische Erfahrung zu sein scheinen. Und wie mit dem Altern und dem oft langweiligen, eingefahrenen Alltag? Hier gab es viele Gedankengänge, die mich wirklich angesprochen haben und den Nagel auf den Kopf trafen. Möglich, dass sich in Mo die Autorin selbst widerspiegelt und sie aus diesem Grund am glaubhaftesten von allen wirkt.

Bei aller Kritik: Gegen Ende wird’s immerhin noch ein bisschen spannend. Die schräge Familie wächst zusammen und einem selbst doch irgendwie ans Herz, sodass man mit einem gewissen Bedauern die letzte Seite umschlägt. Aber schließlich kann man ja immer noch in die Küche gehen und einen ordentlichen Banoffee-Kuchen aus Oma P’s Repertoire zaubern 🙂

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Verlag: Ullstein * TB * Juni 2012 * 368 Seiten * 9783548283777
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