Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner, Kerstin Gier

Gier_Gras_RZ.inddLange habe ich diverse Menschen von Kerstin Gier und ihrer locker-flockigen Art zu Schreiben schwärmen hören. Zeit, sich persönlich davon zu überzeugen. Auch wenn ich Chick-Lit wirklich nicht gerade zu meinen Lieblingsgenres zähle.

Das obligatorische Pelztier auf dem Cover, die bonbonrosafarbene Umschlaggestaltung-das alles hätte mich normalerweise vom Kauf abgehalten. Aber weil ich das Thema „Zeitreise“ als Aufhänger eigentlich immer ganz famos finde, dachte ich, ich versuch’s mal.

Den meisten ist Kerstin Gier sicherlich als Verfasserin der „Edelstein-Trilogie“ (Rubinrot/Saphirblau/Smaragdgrün) ein Begriff, eine Jugendfantasyreihe, in der es ganz konkret um Zeitreisen geht und die ab 14. März sogar in die Kinos Einzug halten wird.

Kati ist Mitte dreißig und seit Jahren mit Felix verheiratet, einem Oberarzt mit wenig Zeit für’s Privatleben. Tatsächlich scheinen sich die romantischen Gefühle der beiden füreinander im Alltag tief in die hinterste Ecke verzogen zu haben. Genau da schlägt das Schicksal zu und die gelegentlich ziemlich verpeilte Kati schickt aus Versehen eine vielsagende SMS an den gutaussehenden Mathias, mit dem sie gerade ein anstrengendes Seminar für angehende Führungskräfte geleitet hat. Prompt folgt die Einladung auf einen Kaffee und das moralische Dilemma beginnt.

Schnell verlieben sich die beiden und auf dem vorläufigen Höhepunkt ihrer kurzen Liaison findet sich Kati auf den Bahngleisen wieder. Kurz darauf erwacht sie im Krankenhaus, fünf Jahre vor den Ereignissen. Und nur einen Tag vor ihrer ersten Begegnung mit Felix! Wäre das nicht DIE Gelegenheit, ein paar Lebensläufe, allen voran natürlich den eigenen, zum Vorteilhaften zu beeinflussen?

Natürlich ist dem Leser schnell klar, dass Katis zum Teil lobenswert selbstlose Missionen nicht ohne Kollateralschäden bleiben werden und dass das Spiel mit der Zeit so seine unvorhersehbaren Tücken hat. Wie es am Ende ungefähr ausgehen muss, ahnt man auch.

Die Bewertung fällt mir nicht leicht. Auf der einen Seite habe ich die Geschichte, trotz Vorhersehbarkeit, sehr gerne gelesen und wollte das Buch zwischendurch gar nicht weglegen. Die Handlung ist angenehm straff, quasi kein Gramm zu viel, und in ein paar Stunden ist man durch. Auf der anderen Seite hätte man da an einigen Stellen die Grundidee noch viel viel weiter ausschöpfen können. Unter der Knappheit litt auch die Charakterzeichnung. Besonders Felix blieb extrem farblos. Ich konnte mir einfach kein Bild von ihm machen, das es auch nur im Geringsten erlaubt hätte einschätzen zu können, was Kati überhaupt bei ihm hält?

Mit in die Waagschale muss man jedoch unbedingt Kerstin Giers erzählerisches Talent legen. Bunt, fröhlich, witzig und voller netter kleiner Gags und Einfälle am Rande. Zweifellos leidet man mit, wenn Kati von einem Fettnäpfchen ins nächste steigt oder schmunzelt unweigerlich, wenn sie mit spitzer Feder ihre Mitmenschen porträtiert. Auf eine richtig tolle Zitatperle à la Gier, wie diejenigen von Schopenhauer, Hitchcock und co., die so schön passend zur jeweiligen Situation ausgewählt wurden und die Ränder der Kapitel zieren, wartet man allerdings vergebens.

Fazit: Trotz einiger Schwächen ganz klar oberhalb des Chick-Lit-Durchschnittsniveaus angesiedelt. Gerne mal wieder. 🙂

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Verlag: Bastei Lübbe * Paperback * November 2011 * 282 Seiten * 978-3-7857-6050-5
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