Der Seelenbrecher, Sebastian Fitzek

Fitzek Der Seelenbrecher 63792-0 (3)Fitzek kann Spannung! So simpel ist das. Er ist nahezu der einzige Autor, bei dem ich schon weiß, dass ich nur mit Lesen anfangen sollte, wenn ich am nächsten Morgen nichts Großes vorhabe. Denn weglegen lässt er sich garantiert nicht, bevor man nicht auch die allerletzte Seite verschlungen hat. Schon die Anfangsszene ist dermaßen gruselig, brutal und mysteriös, dass man mehr wissen muss. Danach reiht sich Cliffhanger an Cliffhanger und zwingt einen, Kapitel für Kapitel weiterzulesen. So wurde es wieder eine lange Nacht und ich habe – neben Amokspiel – einen neuen Fitzek-Psycho-Liebling entdeckt.

Alles beginnt mit einem Experiment, Jahre nach den Ereignissen. Einige Studenten nehmen an einer zunächst harmlos erscheinenden psychiatrischen Studie teil. Die Probanden müssen nichts weiter tun, als eine Patientenakte zu wälzen. Doch der Bericht liest sich eher wie das Drehbuch zu einem grausigen Horrorfilm…

Caspar, die Hauptperson im Skript, hat nämlich keine Ahnung, wer er ist oder wie er in die abgeschiedene psychiatrische Privatklinik gelangt ist, in der er jetzt steckt. Stück für Stück versucht er, seine Erinnerungen wiederzuerlangen. Da wird ein selbstzerstörerischer Patient eingeliefert und die Klinik durch Schneefall und unglückliche Umstände von der Außenwelt komplett abgeschnitten. Bald scheint klar: Der „Seelenbrecher“ weilt unter den Eingeschlossenen, ein Psychopath, der bereits drei Frauen entführt und in den Wahnsinn getrieben hat. Von da an geht es nur noch darum, diese Nacht lebendig zu überstehen…

Schon anhand der kurzen Inhaltsangabe kann man erahnen, dass es ordentlich zur Sache geht. Blut, Gewalt und Psychoterror – das sind entscheidende Zutaten. Aber es ist definitiv noch mehr Substanz dahinter. Inmitten all der atemlosen Spannung verliert der Autor nie die verschlungenen Pfade seiner Erzählung aus den Augen. Jeder Charakter wird einem irgendwann verdächtig und auch die langsam zurückkehrenden Erinnerungen Caspars lassen Düsteres vermuten. Dennoch bin ich mit allen Spekulationen ins Leere gelaufen und war am Ende ehrlich überrascht. Den „wissenschaftlichen“ Hintergrund der Geschichte vermag ich nicht zu beurteilen. Er wirkt allerdings plausibel und alle Fäden werden schließlich geschickt zusammengeführt.

Das Ende in der Gegenwart erscheint dann, im Gegensatz zum vorherigen Geschehen, fast harmlos. Da hätte Fitzek die Geschichte tatsächlich weiterspinnen und nochmal einen draufsetzen können. Aber vielleicht wäre mir da bloß der letzte Nerv geraubt worden 😉 Zurück bleibt ein wohliger Schauer, zusammen mit einem gelben Post-It, der den zart besaiteten Leser durchaus nervös machen könnte. (Als Buchhändlerin kann ich immerhin versichern, dass der Zettel wirklich in JEDEM Buch drin ist ;-)) Ein gelungener Gag. Oder steckt doch etwa mehr dahinter? Wer weiß das schon…

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Verlag: Knaur * TB * Oktober 2010 * 368 Seiten * 978-3-426-63792-0
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