Kanada, Richard Ford

HB_Ford_24026_MR.inddKanada. Nun, in Kanada trifft Dell, der Held der Geschichte, tatsächlich erst nach rund 240 von 480 Seiten ein. Diese Zähflüssigkeit war für mich ein Hauptproblem des Romans. Aber zunächst zum Inhalt:

Dell Parsons lebt mit seinen Eltern und Zwillingsschwester Berner im beschaulichen Great Falls, Montana. Nicht sein erster Wohnort, denn der Vater ist Soldat. Doch auch so scheint das Paar ihren Standorten niemals lange treu bleiben zu wollen. Gerade Mutter Neeva, eine gebildete Person, die sich in den Provinznestern niemals anpassen geschweige denn integrieren möchte, ist scheinbar stets auf der Suche nach einem besseren Leben. In gewisser Weise ist Dell also immer schon zum Einzelgänger bestimmt. Sein größter Wunsch ist es, endlich die Highschool besuchen zu dürfen. Nicht unbedingt, um neue Leute kennenzulernen, sondern aus Wissensdurst. Tatsächlich wird er auch eines Tages Lehrer, wie man aus der Rahmengeschichte erfährt.

Kurz bevor die Schule beginnt bricht die Katastrophe über die kleine Familie herein. Vater Bev, redselig, herzlich, doch auch ein wenig naiv, engagiert sich seit seinem Austritt aus der Air Force in illegalen Geschäften. Als Indianer ihn wegen eines Zahlungsausfalls bedrohen, muss Bev schnell zu Geld kommen. Und begeht prompt einen schlecht durchdachten Banküberfall, in den er auch noch Mrs. Parsons mit hineinzieht. Die Festnahme lässt nicht lange auf sich warten und die Geschwister müssen sich dem Zugriff des Staates Montana entziehen, wollen sie nicht im Jugendheim landen. Dabei verschlägt es den schweigsamen Dell in den trostlosen Landstrich Saskatchewan, in dem er sich weitgehend alleine durchschlagen muss…

Überzeugen konnte mich das Werk des Pulitzer Preisträgers Ford nicht. Die Erzählweise erstickte jede Spannung im Keim. Die wenigen größeren Ereignisse des Romans werden sehr früh vorweggenommen oder angedeutet. Bis es dann tatsächlich dazu kommt, muss man noch endlose Seiten Reflektion aus Dells Perspektive hinter sich lassen.

Besonders zäh ging es am Anfang zu, da man quasi sofort erfährt, dass die Eltern einen Banküberfall begehen werden und Dell daraufhin nach Kanada fliehen muss. Minutiös wird dann der genaue Hergang rekonstruiert. Dabei verstrickt sich der Autor permanent in Wiederholungen. So erfährt man gefühlte hundert Mal, dass die Parsons für Dell die „wohl unwahrscheinlichsten Bankräuber der Welt“ waren.

Dells Gedankengänge haben mich zum Teil befremdet. Ich hatte mehr als einmal das Gefühl, nicht genau zu verstehen, worauf der Autor eigentlich hinaus möchte.

Darüber hinaus sind die anderen Charaktere für mich sehr greifbar geworden. Alle sind einzigartig, differenziert dargestellt und mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet. Allerdings sind auch hier zahlreiche Wiederholungen an der Tagesordnung.

Warm geworden bin ich mit diesem Stück Literatur jedenfalls nicht. Grundsätzlich würde ich jedem Interessierten empfehlen, einfach mal reinzulesen und so zu schauen, ob er mit dem doch recht eigenwilligen Erzählstil etwas anfangen kann.

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Verlag: Hanser * HC * August 2012 * 464 Seiten * 978-3-446-24026-1
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