Im Totengarten, Kate Rhodes

9783548284620_coverAlice Quentin ist Psychologin in einem Londoner Krankenhaus. Kate Rhodes hat nun mit „Im Totengarten“ den Auftakt zu einer Reihe rund um die junge Protagonistin geschrieben.

Nur widerwillig wirft Alice für Chief Inspector Don Burns einen Blick auf Morris Cley, einen mutmaßlichen Helfer der Bensons, die gemeinsam vor Jahren als Heimleiter mehrere Frauen missbraucht und ermordet haben. Wenig später entdeckt sie beim Joggen eine Frauenleiche am Rande des alten Prostituiertenfriedhofs Crossbones Yard. Die Leiche weist die gleichen Schnittmale auf, die die Bensons damals ihren Opfern zugefügt hatten. Fortan ist sie mehr oder weniger unfreiwillig an den Ermittlungen beteiligt. Weitere Leichen pflastern bald ihren Weg und unangenehme Drohbriefe tauchen auf. Ist der Täter tatsächlich auch hinter Alice her?

Rhodes gelingt es, mit Alice eine sehr markante Persönlichkeit zu kreieren. Vordergründig eine toughe Frau, die immer für andere stark ist, trägt sie jede Menge Ballast aus der Vergangenheit mit sich herum. Eine der Ängste, die aus ihrer schrecklichen Kindheit stammen, wird im Buch noch von Bedeutung sein. Faszinierend ist auch der Charakter ihres Bruders Will. Man weiß nicht recht, was man von ihm halten soll. Er ist psychisch krank, verweigert jedoch eine Behandlung, versinkt im Drogensumpf und wird gegenüber Alice immer wieder gewalttätig. Ihre Freundin hingegen hat mich ziemlich aufgeregt mit ihrer Ich-Bezogenheit, die von Alice scheinbar problemlos geduldet wird. Möglicherweise entwickelt sich diese Beziehung noch in den Folgebänden weiter.

Die Spannung war mir für einen Thriller zwar meistens solide genug, streckenweise jedoch etwas zu lau. Besonders blutrünstig oder brutal ging es auch nicht zu. Dafür kann Rhodes sehr gut eine beklemmende Atmosphäre schaffen, was sie oft einsetzt.

Ein ganz großes Problem ist leider der Rückentext, der meines Erachtens zu viel über den Täter preisgibt. Mir war dann schon früh klar, wer es sein müsste. Dabei stehen eigentlich zahlreiche Verdächtige zur Auswahl, neben Will zum Beispiel auch Alices anhänglicher Exfreund Sean, der etwas unheimliche Cley und mehr. Der Hinweis auf dem Buchrücken ist also noch umso ärgerlicher.

Wo wir schon beim Äußeren angelangt sind: Auch die Covergestaltung empfinde ich als Fehlgriff. Die große Libelle?/Fliege? hat definitiv gar keinen erkennbaren Bezug zum Inhalt und der Titel lässt sich nur einordnen, wenn man weiß, dass das Original „Crossbones Yard“ heißt. Dennoch war ich drauf und dran, vier coons zu vergeben. Bis ich das Ende gelesen habe. In der „Befreiungsszene“ tauchen leider ein paar arge logische Schnitzer auf, die für mich nicht zu ignorieren waren.

Insgesamt also einige tolle Ansätze, die zum Teil verschenkt werden. Vielleicht erhält die nächste Fortsetzung ja einen feineren Schliff? Dann wäre ich definitiv noch einmal bereit, es mit Alice Quentin zu versuchen. 🙂

 P1000475P1000475P1000475

Verlag: Ullstein * TB * September 2012 * 448 Seiten * 978-3-548284620
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s