Alle meine Wünsche, Grégoire Delacourt

40384_1_delacourt_bb_web1(1)Schon das Cover ist ein Highlight, und da mir ja französische Autoren zu den liebsten überhaupt gehören, ist dieses Buch ganz schnell auf meinem Regal gelandet. Bereut habe ich es jedenfalls nicht 😉

Jocelyne hat sich in ihrem Leben eingerichtet und große Träume bereits lange an den Nagel gehängt. Eigentlich gefällt ihr alles so unvollkommen, wie es ist: Die Arbeit im eigenen Kurzwarenladen, ein schwieriges, aber schönes Geschäft. Die beiden Kinder, die mittlerweile aus dem Haus sind, die Tochter zielstrebig in der Filmbranche unterwegs, der Sohn eher ohne Ziel.  Die große Ehekrise mit ihrem ruppigen, aber zuverlässigen Jo bereits weitestgehend ausgestanden. Die Singlezwillinge vom Kosmetiksalon nebenan, die mit ihren ewigen Klatschgeschichten ganz schön nerven können, aber großzügig Schönheitsbehandlungen spendieren.  Der Blog, der eine kleine Abwechslung vom Alltag bietet.

Doch dann schlägt das Schicksal zu: Jocelyne gewinnt im Lotto. 18 Millionen Euro. Was nun? Bringt das große Geld endlich die großen Träume zurück? Oder hat die Psychologin von der Lottostelle recht und der Gewinn wird ihr Leben auf eine Katastrophe zuschlittern lassen?

Die Begierde zerstört alles, was ihr in den Weg kommt […] Ich kann nicht glauben, dass sich ein Mörder oder auch nur ein Lügner oder Dieb in meinem Jo verkriecht. Nicht glauben, dass mich meine Kinder mit den Augen von Dagobert Duck ansehen werden, aus denen in den Comic-Heften meiner Kindheit die $-Zeichen sprangen, wenn er etwas erblickte, was er begehrte.“ (S. 48)

Zwar handelt es sich bei „Alle meine Wünsche“ um eine extrem kurze Geschichte, die man eigentlich als Novelle bezeichnen könnte, jedoch enthält sie alles, was ich an schöner Literatur zu schätzen weiß. Man ist sofort mittendrin in Jocelynes (Gedanken)welt und kann hautnah ihre Zerrissenheit und ihre Ängste, aber auch die glücklichen Alltagsmomente erleben. Trotz der knappen Seitenzahl erhält man auch einen guten, klaren Eindruck von den restlichen Charakteren, an sich „gewöhnliche“ Menschen mit Stärken und Schwächen, die Jocelyne aber mit all ihren kleinen Eigenheiten liebevoll schildert.

Die Botschaft, dass Reichtum nicht glücklich macht, ist natürlich nicht neu, wurde aber selten so eindringlich vermittelt. Gerne habe ich mich von der leicht melancholischen, doch immer wieder hoffnungsfrohen Grundstimmung einfangen lassen. Ein großer Pluspunkt ist auch das Ende der Geschichte, das ohne jeglichen Kitsch auskommt.

Kurz und knackig-französische Literatur at it’s best.

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Verlag: Hoffmann und Campe * HC * September 2012 * 128 Seiten * 978-3-455-40384-8
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