Souvenirs, David Foenkinos

9783406639470_large„Nathalie küsst“, der letzte Roman von Foenkinos, hat von mir ja bereits eine Menge an Lob eingeheimst. Dennoch war es kein Buch, das ich als unvergesslich beschreiben würde. Mit „Souvenirs“ hat mich der Autor allerdings endgültig überzeugen können.

Ein namenloser junger Mann muss sich dem ständigen Auf und Ab des Lebens stellen. Am Anfang der Geschichte ist er noch auf der Suche nach seinem Platz in der Welt. Eigentlich möchte er ja gerne Schriftsteller werden und der Job als Nachtportier in einem Pariser Hotel erscheint ihm dazu geeignet, die passenden Rahmenbedingungen zu schaffen. Doch die Muse will einfach nicht so recht erscheinen.

Da stirbt sein Großvater und eine Kette von familiären Ereignissen wird in Gang gesetzt. Seine Großmutter muss ins Altenheim und nimmt dies keineswegs einfach hin. Die Brüche in der Ehe der Eltern werden sichtbar, nachdem der Vater in Rente gehen muss und zum langweiligen Couchpotato mutiert, während seine Mutter der Hunger nach einem aufregenderen Leben packt. Und er selbst scheint auf der Suche nach Liebe nicht den geringsten Erfolg zu haben.

Auf den ersten Blick scheint man Ähnliches bereits des Öfteren gelesen zu haben. Doch Foenkinos Erzählweise ist einzigartig. Das liegt zum einen daran, dass die Geschichte immer wieder unterbrochen wird von originellen Erinnerungsfetzen diverser Persönlichkeiten, die kurz zuvor als Randfiguren auftauchten. Berühmtheiten wie Patrick Modiano, Francis Scott Fitzgerald, Nietzsche, Van Gogh wechseln sich dabei ab mit den fiktiven Nebencharakteren des Romans wie Friseusen, Malern schrecklicher Kuhgemälde oder alten Schulfreunden.

Zum anderen sprüht der Autor vor Ideen und zaubert viele hinreißende Szenen aus dem Ärmel, die ihren Charme aus den Gegensätzen ziehen: Da sitzt die alte Großmutter noch einmal in der Schule ihrer Kindheit, von den Kleinen fröhlich umringt. Da erinnert sich der träge Vater an seinen verzweifelten Anmachspruch, der schließlich das Herz der für ihn eigentlich viel zu flotten Mutter gewonnen hatte: „Sie sind so schön, dass ich Sie nie mehr wiedersehen will“ (S.45). Da sieht der Erzähler eine junge Frau auf der Beerdigung des eigenen Großvaters und vergeht schier vor Verlangen, trotz der immensen Trauer, die er eigentlich spürt.

Einziger kleiner Kritikpunkt, bei all der schönen Sprache, sind ein paar verunglückte Metaphern, die in meinen Augen wenig Sinn ergaben. Ansonsten kann ich dieses Buch eigentlich nur allen Alltagshelden wärmstens ans Herz legen 😉

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Verlag: C.H. Beck * Klappenbroschur * Juli 2012 * 333 Seiten * 978-3-406-63947-0
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