Das Büro, J.J. Voskuil

9783406637339_coverJa, endlich gibt es hier wieder etwas zu lesen 🙂 Gelesen habe ich tatsächlich nicht wenig, doch die Zeit zum Bloggen war etwas rar gesät.

Jedenfalls wird es nun, jobbedingt, Zeit, sich den Herbstnovitäten zu widmen. Also erst einmal beiseite mit George R. R. Martin (mittlerweile Band 4!) und Anna Gavalda.

Der Klappentext zu Voskuils „Büro“ suggerierte mir skurrile Gestalten und vergnügliche Unterhaltung. Eine Satire auf die Auswüchse des Beamtentums/Wissenschaftsbetriebes. Ob sich diese Erwartungen erfüllt haben?

Zunächst muss man vorausschicken, dass „Het Bureau“, das Original, eine Art Kultserie in den Niederlanden der 90er Jahre war. Ganze sieben Bände umfasste der zwischen 1996 und 2000 herausgegebene Romanzyklus, der in Voskuils Heimatland für eine regelrechte Büromanie gesorgt hatte. Doch erst in diesem Jahr erschien der erste Teil in deutscher Übersetzung.

Nun, ehrlich gesagt: Wie dieses Buch zu einem Bestseller avancieren konnte, ist mir ein Rätsel. Warum die Übersetzung hingegen so lange auf sich warten ließ, kann ich gut nachvollziehen. Immerhin dürften die dialektalen Dialoge, wenn Maarten auf diverse provinzielle Interviewpartner trifft, eine ziemliche Herausforderung dargestellt haben.

Aber nun zum Inhalt: Maarten Koning steckt in einer Krise: Seinen Lehrerjob hat er gekündigt – einfach nicht das Richtige für ihn. Doch was nun? Da erhält er das Angebot, beim niederländischen Institut für Volkskunde einzusteigen. Direktor Beerta ist ihm aus seiner Zeit als studentische Hilfskraft noch bestens bekannt. Obwohl er zögert – denn er weiß, welch sinnfreies Dasein ihm blüht – nimmt er dennoch schließlich an.

Im Folgenden macht ihm nicht nur seine Frau Nicolien das Leben schwer, die ihren Mann lieber arbeitslos zu Hause hätte und seine Gehaltserhöhung unmoralisch findet – überhaupt eine äußerst merkwürdige Gestalt, ganz am Rande…Maartens Hauptprojekt, der „Atlas der Volkskunde“, läuft bereits ins x-te Jahr, ohne die geringste Aussicht auf Fertigstellung. Doch gehorsam recherchiert er über merkwürdige Bräuche und Sprichwörter, interviewt Leute aus dem hintersten Hinterland und entdeckt, dass die Datenbasis für den Atlas eigentlich völlig unbrauchbar ist.

Sein Vorgesetzter verbringt die Zeit mit Kaffeepausen und den Fahrten zu diversen mysteriösen Kongressen. Seine Kollegen sind allesamt merkwürdige Vögel, mal cholerisch, mal Einzelkämpfer, mal total durchgeknallt oder einfach nur unsympathisch. Maarten ist angewidert von der Sinnlosigkeit seines Tuns und wird – wen wundert’s – kaum warm an seinem Arbeitsplatz, den er immer wieder als „bedrohlich“ charakterisiert und der ihn in seiner Seelenlosigkeit zu verschlingen droht. Kommt er hier doch noch einmal heraus?

Wenn Voskuil den Büroalltag als quälend wie die langwierige Lektüre dieses Buches darstellen wollte, so ist ihm dies durchaus gelungen. Natürlich haftet dem kleinkarierten Treiben auch eine gewisse Komik an, die mich jedoch nach rund 800 Seiten ereignisloser Beschreibungen kaum noch zu begeistern vermochte. Keiner der Charaktere taugt wirklich als Sympathieträger. Selbst Maarten, die Hauptperson, blieb mir seltsam fremd, was wohl an seinen eigenartigen Gedankengängen lag. Ein bisschen erinnerten mich die Gestalten im „Büro“ an die Bewohner eines Irrenhauses.

Stilistisch kommt der Roman trocken wie die Büroluft daher. Das alles ist sicherlich irgendwo gekonnt, jedoch dem Lesevergnügen ziemlich abträglich. Gut möglich, dass dieses Buch anderen Menschen nobelpreisverdächtig vorkommt (laut Buchrückenzitat). Doch wie schon bei Effie Briest kann ich wohl nicht unbedingt mit jedem Stück Weltliteratur etwas anfangen.

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Verlag: C. H. Beck * HC * Juli 2012 * 848 Seiten * 978-3-406-637339
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