Die Flucht, Ally Condie

Condie_Flucht_P03_RZ.inddMeine Eindrücke beziehen sich auf die englische Originalversion „Crossed“. Bezüglich des Inhalts verweise ich auf den Klappentext, den ich bereits vor einiger Zeit gepostet habe. Sehr viel mehr ist tatsächlich auch nicht zu sagen. Außer, dass [Achtung: Spoiler] Cassia und Ky sich bereits nach kurzer Zeit auch in den Canyons finden und die wichtigste Frage darin besteht, ob man sich nun gemeinsam mit einigen zum Teil undurchsichtigen Begleitern auf den Weg zur Rebellion machen soll oder nicht. Ky hat da seine ganz eigenen Vorbehalte, die nicht ganz deutlich werden, und seine Vergangenheit bietet sicher noch Stoff für den letzten Band, ebenso wie die Figur des Xander, die hier kaum auftaucht, jedoch ebenfalls noch einige Fragen aufwirft.

Ich war nach dem wunderbaren ersten Teil definitiv enttäuscht von der Fortsetzung. Sie leidet unter dem typischen Trilogiesymptom: Es passiert einfach kaum etwas und der ganze Band scheint nur eine Durchgangsstation zu sein, um es im letzten Teil richtig „krachen“ zu lassen. Man erfährt überhaupt nichts mehr von den ersten Wellen der Unzufriedenheit in Cassias Heimat und Familie. Dieser Schauplatz ist komplett ausgeblendet. Stattdessen treten neue Charaktere auf, die mir alle etwas zu sehr an der Oberfläche bleiben, von denen man jedoch das Gefühl bekommt, dass man im letzten Band  noch einige Überraschungen erwarten darf.

Außerdem habe ich den Einfallsreichtum aus Teil eins vermisst. Klar, die Gesellschaft und ihre Eigenheiten wurden bereits hinreichend beschrieben. Mehr ist also nicht unbedingt nötig gewesen. Doch die Geschichte wirkt so öde und ideenlos, wie der endlose Marsch durch die Canyons, der den Schwerpunkt in diesem Band bildet.

Die Gedichte, die im ersten Teil eingearbeitet wurden und eine so wichtige Rolle in der Liebesbeziehung von Cassia und Ky gespielt haben, sind hier rar geworden. Der nüchterne Stil, den ich so passend fand, wurde abgelöst durch eine wechselnde Erzählperspektive aus Cassias und Kys Sicht, die manchmal Verwirrung stiftet.

Immerhin muss man sagen, dass die Liebe zwischen beiden immer noch sehr schön beschrieben wird und sich genauso zart weiterentwickelt wie zuvor:

But loving lets you look, and look, and look again […] When you first love, you look blind and you see it all as the glorious, beloved whole, or a beautiful sum of beautiful parts. But when you see the one you love as pieces, as whys-why he walks like this, why he closes his eyes like that-you can love those parts, too, and it’s love at once more complicated and more complete.

Ein dicker Pluspunkt also. Und Indie hat das Potential, zu einer richtig interessanten Figur zu werden.

Kurz gesagt hätte Ally Condie hier doch einiges straffen sollen und es meinetwegen auf einen Zweiteiler hinauslaufen lassen können. Echt schade. Ich hoffe, der dritte Teil kann wieder da anknüpfen, wo der erste so grandios aufgehört hatte.

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Verlag: FJB * HC * Januar 2012 * 464 Seiten * 978-3-8414-2144-9
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