Sturz der Titanen, Ken Follett

196860164_be35ec533eUnglaublich aber wahr: Dies war mein allererster Follett. Seine große Beliebtheit hat möglicherweise mit einem sehr ausgewogenen Stil zu tun: Passagen mit harten Fakten, auch zum Kriegsgeschehen an sich, wechseln sich ab mit Beschreibungen des Innenlebens zahlreicher verschiedener Protagonisten. Auch die Liebe kommt nicht zu kurz.

In „Sturz der Titanen“ entwirft Follett ein Tableau der europäischen Gesellschaft kurz vor, während und nach dem Ersten Weltkrieg, der „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“. Dabei kommen seine Charaktere sowohl aus der ärmsten, als auch aus den reichen Schichten sowie aus unterschiedlichen Ländern. Protagonisten sind beispielsweise die walisische Bergarbeiterfamilie Williams, der reiche englische Adlige Fitzherbert und seine Schwester Maude, der deutsche Adlige Walter von Ulrich, die russischen Brüder Grigori und Lew, der amerikanische Politiker Gus Dewar und zahlreiche historische Persönlichkeiten, die ihre Wege kreuzen (Winston Churchill, Lenin, Präsident Woodrow Wilson usw.).

Alle Biographien werden geschickt miteinander verbunden: Die beiden jüngsten Sprosse der Williams-Familie trotzen ihrem strengen Vater und steigen gesellschaftlich auf, gehen in die Politik und kämpfen (in Ethels Fall), für die Frauenrechte. Maude führt eine heimliche Beziehungen mit Walter, die durch den Kriegsausbruch noch verbotener und schwieriger wird. Und die russischen Brüder gehen getrennte Wege: Während der ungestüme Lew nach Amerika auswandert und dort zu schnellem Reichtum kommt, erlebt der eigentlich bodenständige Grigori die Oktoberrevolution mit und wird sogar zum begeisterten Anhänger…

Der Titel „Sturz der Titanen“ ist doppeldeutig. Zum einen laufen natürlich die Länder, die sich an diesem grausamen Krieg beteiligen, sehenden Auges in ihren Untergang – wie sie alle langsam in den Strudel des Krieges hineingerissen werden, wird hervorragend recherchiert geschildert. Doch auch in der Gesellschaft deutet sich ein Wandel an: Frauen verlangen nach ihren Rechten und der alte Adel muss nicht nur in Russland zunehmend feststellen, dass seine Privilegien und seine mit dem Geburtsrecht verknüpfte gesellschaftliche Stellung nicht mehr anerkannt werden.

Ein wunderbarer Einblick in die Stimmung einer Epoche und gleichzeitig ein episches Lesevergnügen!
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Verlag: Bastei Lübbe * HC * September 2010 * 1022 Seiten * 978-3-7857-2406-4
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