Shades of Grey – Geheimes Verlangen, E.L. James

Shades of GreyGeheimes Verlangen von E L JamesJa, ich lese immer noch an „Nachtzug nach Lissabon“, ein WUNDERBARES Buch, das aber seine Zeit braucht, da es mit Genuss gelesen werden möchte. So habe ich denn ausnahmsweise einmal etwas Leichtes dazwischengeschoben-DER allseits gehypte Megaseller aus den USA: Shades of Grey. Der Kontrast könnte natürlich größer kaum sein 😉

Für diejenigen, die noch nichts davon gehört haben: Shades of Grey läuft gerade in Deutschland erst so richtig warm. Ursprünglich handelte es sich hierbei um eine Fanfiction zu „Twilight“. Auf Englisch ist die Trilogie bereits vollständig erschienen, auf Deutsch erscheint der zweite Band im Oktober. Eine Verfilmung ist auch bereits in Planung. Der Roman „polarisiert“, da es sich um die Schilderung einer SM-Beziehung handelt und das Ganze definitiv als Erotikroman zu klassifizieren ist.

Der Inhalt lässt sich sehr knapp umreißen: Ana Steele ist eine junge Akademikerin, die kurz vor ihrem Abschluss steht und allgemein eher schüchtern ist. Als ihre toughe Mitbewohnerin Kate einen Interviewtermin mit dem berühmten Milliardär Christian Grey wegen Krankheit absagen muss, springt Ana widerwillig ein und stolpert über dessen Türschwelle. Grey hat sofort ein Auge auf die in der Liebe mehr als unerfahrene Ana geworfen und umwirbt sie fleißig. Auch Ana ist sofort fasziniert von dem charismatischen, aber undurchschaubaren Strahlemann. Der Haken ist nur: Grey möchte eigentlich keine feste Beziehung, sondern eine schriftliche Vereinbarung. Er hat seit Jahren wechselnde SM-Sexbeziehungen, in denen er dominiert, wurde als junger Mann missbraucht und lässt sich nicht gerne anfassen. Richtig viele Details erfährt man nicht aus Christians Vergangenheit, doch ich nehme an, dass da noch einiges kommen dürfte in den Folgebänden. Ana ist nicht sicher, ob sie sich darauf einlassen möchte und versucht auf rund 600 Seiten immer wieder, Grey auf charmante Art und Weise von seinem Dominanztrip herunterzubekommen und eine „normale“ Beziehung mit ihm zu führen. Aber kann ihr das tatsächlich gelingen oder lässt sie sich in seine Welt hineinziehen?

Ich hatte aus purer Neugierde über dieses „Phänomen“ zum Buch gegriffen und nicht viel erwartet, da mir bereits „Twilight“ eher ein Gräuel war. Zum Anfang zieht einen die Geschichte auch durchaus noch mit, als es ums Kennenlernen und die ersten sexuellen Begegnungen geht. Doch sehr schnell beginnt sich alles zu wiederholen-das ewige „Tauziehen“ zwischen den beiden Protagonisten war mir irgendwann einfach zu nervig. Wiederholung ist auch stilistisch angesagt: Die Autorin ist nicht allzu kreativ, was Formulierungen angeht. Christians ständiges „Baby“, „Du gehörst mir“ überzeugt dann auch irgendwann nicht mehr und sowieso himmelt Ana natürlich mit stets gleichen Worten die Schönheit ihres Christians an (was mich dann unangenehm an Twilight erinnert hat).

Tatsächlich ist mir Ana trotzdem sogar einigermaßen sympathisch geblieben-sie versucht immer wieder, sich Christians Charme und seiner überwältigenden Wirkung zu entziehen und ringt ihm Stück für Stück beachtliche Zugeständnisse ab. Dass sie aber dermaßen unerfahren in der Liebe ist (noch nicht mal ein Kuss mit Anfang 20) und dann direkt von 0 auf 100 startet, fand ich allerdings ziemlich überzogen.

Überhaupt muss ich mich NATÜRLICH noch zu einem zentralen Thema äußern: Dem Sex. Als Sado-Maso-König kann man Christian jedenfalls nicht ernst nehmen, dafür ist das Ganze definitiv zu soft. Sehr gestört hat mich die Einstellung der Autorin zu seiner Sexualität: Ana bezeichnet ihn wiederholt als „pervers“ und es wird suggeriert, seine Neigungen hingen mit seiner schlimmen Kindheit zusammen und sind daher eher negativ zu bewerten. Das Buch enthält schon sehr viele explizite Szenen, die jedoch ganz besonders an sich wiederholenden Formulierungen leiden.

Zusammengefasst ist „Shades of Grey“-wenig überraschend-alles andere als ein literarisches Highlight. Als Tabubruch empfinde ich das Ganze persönlich auch nicht. Wer neugierig ist und mitreden will, der sollte ruhig einen Blick hineinwerfen, doch das ganze Buch würde ich nur Menschen empfehlen, die etwas übrig haben für endlose Beziehungsdramen mit viel nackter Haut.

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Verlag: Goldmann * Broschur * Juli 2012 * 608 Seiten * 978-3-442-47895-8
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