Das geheime Spiel, Kate Morton

352_29031_77162_xxlIch will nicht sagen, dass ich kein Fan von düsteren Familiengeheimnissen bin, doch Kate Morton hätte lange Zeit nicht unbedingt auf meiner Wunschliste gestanden. Dann habe ich „Das geheime Spiel“ in Frankfurt als Leseexemplar erhalten und nach zahlreichen positiven Kundenrückmeldungen dann doch mal reingeschaut-und es prompt zu Ende gelesen.

Die Geschichte ist recht schnell zusammengefasst: Grace Bradley ist ein schüchternes junges Mädchen, als ihre arme Mutter sie als Dienstbotin zu Beginn des letzten Jahrhunderts auf das herrschaftliche Anwesen Riverton Manor schickt. Dort stellt sie sich nicht schlecht an, fühlt sich nach anfänglichen Schwierigkeiten bald auch in der Gemeinschaft der restlichen Bediensteten wohl und bewundert die beiden einnehmenden Töchter des Hauses, allen voran die „Suffragette“ Hannah.

Direkt zu Anfang wird bereits angedeutet, dass es zu einer großen Tragödie kommt, in deren Verlauf der junge Dichter Robert Hunter in Anwesenheit der Schwestern Emmeline und Hannah stirbt. Auf fast 700 Seiten wird nun ausgebreitet, wie es dazu kommen konnte…Als Rahmenhandlung dient die Gegenwart, in der Grace, mittlerweile eine gebrechliche alte Frau, ihre eigene Geschichte für ihren nach einem Schicksalsschlag untergetauchten Enkelsohn auf Band spricht.

Zunächst mal zum Positiven: Da muss ich vor allem das Ende erwähnen, das einen äußerst gelungenen Twist aufweist und mich für einige Längen entschädigt hat. Da direkt zu Beginn ein Einblick in den Showdown am See gegeben wird, bekommt man den Eindruck, man wüsste bereits genau, wie es ausgeht-doch am Ende kommt dann doch alles etwas anders…Mit einem „ist doch eh klar, wie es enden wird“ im Kopf hatte mich nur die charmante Erzählweise der Autorin bei der Stange gehalten. Wenn man in der richtigen Lesestimmung dafür ist, muss man sagen, dass sie ein Talent dafür hat, Herzschmerz unaufdringlich und nicht allzu kitischig vor der filmreifen Kulisse des Herrschaftssitzes darzustellen und die uralte Faszination am Leben der Reichen und Schönen sowie ihren Skandalen heraufzubeschwören.

Damit kämen wir auch schon zur Kritik: Morton bleibt mir zu stark an diversen Klischees hängen. Vor allem von der etwas zu großzügig mit „Suffragette“ betitelten Hannah hätte ich noch mehr erwartet, als einen Stenokurs, der zum einzigen wirklichen Akt der Emanzipation wird. Die Hauptfigur, Grace selbst, ist mir am Meisten auf die Nerven gegangen mit ihrem permanent unterwürfigen Verhalten und ihrem eigentlich kaum existenten eigenen Charakter, der nur in der Bewunderung der beiden Schwestern einen Inhalt sieht. In der Gegenwart gesteht sie zwar ein, dass sich die Zeiten zum Glück geändert haben, kommt jedoch nicht umhin, die Umstände zu verklären, wenn sie erklärt, man hätte als Dienstbote zwar nichts zu melden gehabt-aber dafür war die Gemeinschaft untereinander so toll…Etwas schade fand ich es auch, dass das zu Beginn mit großem Gestus eingeführte, auch namengebende SPIEL letztlich keine wirklich tragende Rolle innehat.

Insgesamt würde ich „Das geheime Spiel“ als harmlosen, netten Schmöker bezeichnen. Ohne das fulminante Ende würde ich lediglich auf zwei Koalas kommen, so jedoch vergebe ich schließlich gerne noch solide drei Bärchen.

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Verlag: Diana * TB * Dezember 2007 * 682 Seiten * 978-3-453-29031-0
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