Zusammen ist man weniger allein, Anna Gavalda

3-596-17303-5Camille ist eigentlich eine intelligente und künstlerisch begabte junge Frau, doch sie ist magersüchtig und verdient ihren Lebensunterhalt in einer Putzkolonne. Als er sie eines Tages halbtot vor Hunger und Kälte in ihrem kleinen Dachzimmer findet, bietet ihr Philibert, ein stotternder Sonderling und Geschichtsfreak aus altem Adel, Unterschlupf in seiner Wohngemeinschaft. Dritter im Bunde ist der vielbeschäftigte Koch und Lebemann Franck, dessen größtes Problem seine Großmutter Paulette ist, die er in ein grausiges Altenheim abschieben musste. Es ist die Geschichte einer äußerst verschrobenen Pariser WG, mal witzig, mal traurig, mal einfach nur absurd. Alle entwickeln sich weiter. Doch wie lange hält es die buntgemischte Truppe zusammen?

Ein interessantes Werk über ziemlich schräge Charaktere und ihre Entwicklung. Selbst Franck, der scheinbar einzige „Normale“, hat seine Macken. Alle haben recht traurige Lebensgeschichten, die nach und nach enthüllt werden, was die Spannung im Buch aufrecht erhält. Trotz der vielen Probleme ist dieses Buch nur an wenigen Stellen wirklich deprimierend-die Protagonisten nehmen’s oft mit Humor und leben so gut sie können weiter, bewältigen ihren Alltag wie jeder andere Mensch, was sie einem sehr nahe bringt.

Besonders faszinierend fand ich den tiefen Einblick in die Psyche von Camille und ihre Magersucht, der auch sprachlich toll gelungen ist. Der Sprachstil war ganz allgemein etwas Besonderes: Auf den ersten Blick erscheinen die Sätze ziemlich banal und einfach konstruiert, wirken jedoch bei näherer Betrachtung fast schon poetisch. Man muss es einfach mal gelesen haben.

Am besten allerdings im Original, denn sonst geht hier einiges verloren oder wirkt seltsam in der Übersetzung („Heiabettchen“…). Außerdem muss man sich manchmal doch arg konzentrieren, da Anna Gavalda fast nur mit direkter Rede arbeitet und nicht immer klar ist, wer hier eigentlich gerade spricht…Etwas geärgert hat mich auch das Ende, der allzu knappe „Epilog“, in den ein allzu rosiges Ende gequetscht wurde. Alles in allem ein klarer Kandidat für vier ganze Coons.

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Verlag: Fischer Taschenbücher * Oktober 2006 * 560 Seiten * 978-3-59617303-5
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