Le phare du bout du monde, Jules Verne

Und wieder ein Klassiker – wie schon gewohnt ohne Abschlussbewertung.

Es ist das erste Mal, dass ich etwas von Jules Verne lese. Hier handelt es sich um ein recht unbekanntes Spätwerk, das sein Sohn Michel posthum veröffentlicht und zusätzlich ein wenig modifiziert hat. Unter anderem wurde ein ganz neues Kapitel hinzugefügt.

Die Geschichte spielt in den Jahren 1859/60, an der äußersten Spitze vom Feuerland, wo Pazifik und Atlantik aufeinandertreffen. Um den schwierigen Gewässern Herr zu werden wurde erst kürzlich ein Leuchtturm errichtet. Nach Bauabschluss bleiben die drei Wachen Vasquez, Moriz und Filipe alleine für die nächsten drei Monate in der unwirtlichen Gegend zurück. Doch schon seit Jahren treibt eine Piratenbande in der Nähe ihr Unwesen. Die will nun mit einem gestrandeten Schiff und den gesammelten Reichtümern endlich das Weite suchen. Für die nötigen Reparaturen kommt jedoch nur die Leuchtturmbucht in Frage. Moriz und Filipe lassen ihr Leben während Vasquez entkommt. Auf sich gestellt versucht er, die Abfahrt der Piraten zu verhindern…

Was nach einem spannenden Abenteuerroman klingt oder gar das Potential für eine One-Man-Show im Sinne von Bruce Willis in „Stirb langsam“ zu haben scheint, kommt leider nur sehr schleppend in Gang und wird auch nur selten richtig packend. Das liegt vor allem daran, dass der brave Vasquez eigentlich kaum in Aktion tritt, sondern vielmehr das Schicksal die Dinge zu regeln scheint. Des Weiteren bleiben alle Charaktere äußerst flach und werden nach einem simplen Gut-Böse-Schema einander gegenübergestellt: Auf der einen Seite der gottgläubige Vasquez, auf der anderen die Piratenbande, die dem Teufel anhängt.

Typisch für Jules Verne ist wohl auch der Stil, der mir persönlich überhaupt nicht gefallen hat und die Spannung arg gedrosselt hat: Überall sehr genaue Beschreibungen der Landschaft und der See, von Klima, Wetter, Uhrzeiten und Daten. Am schlimmsten fand ich allerdings die ellenlangen Ausführungen über einzelne Schiffsmanöver in den schwierigen Gewässern und was segeltechnisch nun alles möglich oder nicht möglich in dieser und jener Situation sei, was oft sogar zum Mittelpunkt in einzelnen Kapiteln geriet. Diese Technikbegeisterung ist ebenfalls ein Merkmal bei Jules Verne, doch mir war das alles meist zu kompliziert und unverständlich.

Fazit: Wer einen Abenteurroman erwartet, der wird hier nur bedingt glücklich. Als technikbegeisterter Schifffahrtsfreund kommt man jedoch sicherlich auf seine Kosten.

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