Les liaisons dangereuses, Choderlos de Laclos

9782070338962FSAn einen Klassiker aus längst vergangenen Jahrhunderten lassen sich, meines Erachtens, heutige Maßstäbe nicht so einfach anlegen-also verzichte ich hier auf eine Endbewertung und schildere nur Inhalt und Eindrücke.

Die Geschichte ist vielen vielleicht aus den Filmen ein Begriff: Sowohl der Klassiker „Gefährliche Liebschaften“ mit Glenn Close, als auch die Teenie-Verfilmung neueren Datums, „Eiskalte Engel“, sind sehenswert und verarbeiten den Stoff wirklich großartig. Die Filme kenne ich schon sehr lange. Jetzt habe ich endlich einmal die literarische Vorlage zur Hand genommen.

Der Adel im 18. Jahrhundert langweilte sich eben gerne: Der Vicomte de Valmont ist ein berüchtigter Frauenheld und stets auf der Suche nach neuen Eroberungen. Die verwitwete Marquise de Merteuil hingegen gilt als anständige Dame der Gesellschaft. Doch dieses Bild trügt-die Marquise steht Valmont in nichts nach und spielt zudem gerne ihre intriganten Spielchen mit den interessierten Liebhabern. Beide stehen in ständigem Briefkontakt seit einer Liaison zwischen den beiden, an deren Wiederaufflammen der Vicomte ein gewisses Interesse zu haben scheint.

Doch zunächst widmet sich dieser einem interessanten neuen Projekt: Madame de Tourvel, eine äußerst tugendhafte, gläubige, wie auch hübsche Dame, deren Mann schon länger außer Landes ist. Hier sieht Valmont endlich wieder eine Herausforderung und kostet seinen langsamen Eroberungsfeldzug in vollen Zügen aus. Doch gegen eines ist er nicht gefeit: Echt Gefühle…

Zudem verfolgt auch die Marquise ihre eigenen Ziele: Sie sucht nach einem Weg, eine alte Affäre zu bestrafen, den Comte de Gercourt. Diesem ist die junge, unschuldige Cécile de Volanges zur Frau versprochen. Also setzt die teuflische Marquise alles daran, die Unschuld der frisch aus dem Kloster kommenden Cécile zu kompromittieren, und setzt den Vicomte auf diese delikate Aufgabe an. Sollte der bei beiden Damen erfolgreich sein, verspricht sie ihm ein gemeinsame Nacht mit ihr. Und dann ist da auch noch der Chevalier de Danceny, der sich unsterblich in Cécile verliebt und der die Marquise ebenfalls nicht ganz kalt lässt…

Hier tut sich ein wahrer Intrigendschungel auf und die düsterste sowie gleichzeitig auch faszinierendste Figur ist ohne Zweifel die Marquise de Merteuil. Im wohl berühmtesten aller Briefe, in dem sie schildert, wie sie zu derjenigen geworden ist, die sie ist, feiert sie sich sogar als eine Art emanzipierte Frau, die auf ihre hinterlistige Art und Weise der männlich dominierten Welt die Stirn zu bieten weiß. Ein zentrales Motiv ist natürlich der negative Blick auf das aufklärerische Phänomen des Libertins, des moralisch freizügigen Genussmenschen. Die beiden Hauptfiguren stehen im krassen Gegensatz zu den beiden extrem frommen Damen, ihren Opfern. Und dennoch gewinnt man an vielen Stellen Verständnis für sie.

Die differenzierte Charakterzeichnung hat mir ganz besonders gefallen. Auch Tourvel sowie ganz besonders Cécile haben ihre menschlichen Schwächen und fallen diesen schließlich zum Opfer. Die Gefühle, egal ob Lust oder Liebe, triumphieren schließlich über Glaube und Frömmigkeit. Der Roman ist komplett in Briefform abgefasst und gewährt so an vielen Stellen einen tiefen, jedoch auch gefilterten Blick in die Seelen sämtlicher Charaktere. Dabei bleibt es spannend, über tatsächliche Beweggründe und Motive des Geschriebenen zu rätseln, da fast alle Briefe natürlich auch zu manipulativen Zwecken verfasst werden. Was die Charaktere tatsächlich denken und fühlen, steht zumeist nur zwischen den Zeilen.

Die erotischen Szenen, die damals einen Teil des Skandals ausmachten, sind in der Regel nur angedeutet und schockieren heute niemanden mehr. Die Abgründe, die hinter scheinbar perfekten Fassaden lauern können, verlieren jedoch nichts von ihrer Brisanz.

Die größte Schwäche des Werkes ist, dass es an vielen Stellen recht langwierig wird. Insbesondere die Eroberung der Madame de Volanges wie auch der Kampf von Danceny und Cécile um ihre Liebe sorgen für eine große Zahl an stets gleich oder ähnlich klingenden Briefen. Doch vielleicht fehlt es uns Lesern heutzutage einfach an der nötigen Geduld und dem Auge für die feinen Nuancen.

Unterm Strich hat sich der Kampf durch die manchmal langgezogenen Passagen dennoch gelohnt. Gute Briefromane mit vielen unterschiedlichen Protagonisten sollte es einfach mal wieder häufiger geben, denn das Lesen aus diesen speziellen Blickwinkeln heraus macht einfach richtig Spaß!

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