Herr Mozart wacht auf, Eva Baronsky

9783746626963Ein Genie auf Zeitreise (Buchrücken)…

Nach etlichen begeisterten Kollegen und Kunden war ich selbst neugierig auf das Buch. Außerdem habe ich die Autorin bereits im vergangenen Jahr bei einer Lesung aus ihrem neuesten Werk „Magnolienschlaf“ bewundern können. Aber zurück zu Mozart…

Eben noch liegt er auf dem Sterbebett, im Bewusstsein, sein Requiem niemals vollenden zu können-und dann wacht Wolfgang plötzlich in fremder Umgebung auf. In einer Studenten-WG des 21. Jahrhunderts. Sofort tritt der frisch Gestrandete in die ersten Fettnäpfchen, hält die schicke Porzellantasse von Mitbewohnerin Anju für den Nachttopf und Jost mit dem AC/DC-Shirt für einen Engel. Völlig verwirrt sucht er den Weg zurück nach Hause und erkennt sein geliebtes Wien nicht mehr wieder.

Schließlich nimmt sich der polnische Geiger Piotr seiner an: Er quartiert Mozart bei sich ein und gibt ihm Arbeit als seine musikalische Begleitung. Während die beiden von einem schlecht bezahlten Engagement zum anderen tingeln muss Mozart sich alle Mühe geben, die technischen Absonderlichkeiten und die kurzen Röcke der Damen zu verkraften, ohne sich als Mensch aus einem anderen Jahrhundert zu outen. Doch warum ist er eigentlich hier gelandet? Bestimmt nur, um die unangenehme Pflicht zu erfüllen, sein Requiem zu vollenden. Aber Mozart ist nicht nur Genie, sondern auch Chaot: Prompt beginnt er, das neue Leben auf seine Art zu genießen, gibt sich der Musik und der Liebe hin, ohne an morgen zu denken. Ob das gutgehen kann?

Eva Baronsky hat hier ein durchaus witziges Buch geschrieben, in dem neben dem typischen Zeitreise-Humor eine wunderbare Charakterzeichnung Mozarts als ambivalente Persönlichkeit gelungen ist. Trotz all seiner Macken ist Wolfgang unglaublich liebenswert. Er versteht es, vollkommen in die Welt der Musik einzutauchen und überall Melodien und Rhythmen zu erspüren. So wird er nicht von ungefähr zum Stammgast einer Jazzkneipe, wo er seinem Improvisationstalent vollen Lauf lassen kann. Diese Szenen werden insbesondere Musikliebhabern viel Freude bereiten. Ich als unkundiger „Laie“ konnte mit manchen Begriffen leider nur wenig anfangen. Dabei ist das Genie auch verschroben, lacht über Dinge, die sonst keiner lustig findet, und vergisst über Musik und Liebschaften völlig seine Verpflichtungen. Auch in seiner Künstlerehre fühlt sich der gute Amadé schnell gekränkt und mit dem lieben Geld hat er es sowieso nicht.

Die Stimmung im Buch hält sich am Anfang stets gut die Waage zwischen Witz und Melancholie. Leider kippt sie gegen Ende für meinen Geschmack etwas zu sehr ins Traurige. Auf jeden Fall ist „Herr Mozart wacht auf“ ein ungewöhnlicher Roman und vor allem für musikalische Leser eine gute Empfehlung! Denn die Musik ist eine Sprache, die alle Zeiten zu überdauern vermag.

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Verlag: Aufbau Taschenbuch * Februar 2011 * 320 Seiten * 978-3-74662696-3
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