Kindle Gratis-Tage und die Buchpreisbindung

Der eine oder andere Kindle-Besitzer hat sich sicherlich gefreut, als er endeckt hat, dass ihm um den Jahreswechsel herum jeden Tag ein neues E-Book zum freien Download angeboten wurde. Mit von der Partie waren eine ganze Reihe aktueller Bestseller: Die sind doch definitiv noch keine Kandidaten für eine Ladenpreisaufhebung…

Auch unter Kollegen kam unweigerlich die Diskussion auf: Ist so eine Aktion denn überhaupt erlaubt?

Grundsätzlich herrscht in Deutschland nämlich eine Preisbindung. Verlage sind dazu verpflichtet, für ihre Bücher Preise an den Endabnehmer festzusetzen, die jeder Händler im Verkauf respektieren muss: Bücher sollen überall dasselbe kosten. Ausnahmen sind beispielsweise die allseits beliebten Mängelexemplare.

Und wozu ist die Preisbindung gut?

Es gibt eine Menge guter Argumente für die Preisbindung: Sie hilft zum einen dabei, für einen fairen Wettbewerb im Buchgeschäft zu sorgen. Keine Preisschlachten, denen die kleinen Händler einfach nicht standhalten können. Doch die Konsequenz einer fehlenden Preisbindung für den Kunden ist vor allem die, dass sich diese nicht nur auf die Versorgung auswirkt, also die Buchhandelslandschaft deutlich ausgedünnt und einem gewaltigen Konzentrationsprozess unterworfen wird, sondern auch auf die Arbeit der Verlage, die die Bücher produzieren. Diese müssen mit immer weniger Geld planen, setzen dann natürlich vor allem auf gewinnbringende Bestseller und können nur noch selten neuen Autoren eine Chance geben: Das Angebot wird deutlich eingeschränkt. Auch werden Bücher, auf lange Sicht gesehen, wieder teurer.

Meinungsvielfalt und die Erschwinglichkeit von Büchern für jedermann sind zwei große Anliegen der Preisbindung.

Wie es ohne läuft, kann man am Beispiel USA gut feststellen: Große Ketten dominieren den Markt fast vollständig und wer schon einmal ein englisches Taschenbuch in der Hand gehalten hat, der weiß, dass schon alleine die Papierqualität nicht wirklich die beste ist.

Wie kann jetzt also Amazon einfach kostenlos E-Books anbieten? Auch E-Books fallen nämlich unter die entsprechende Gesetzgebung. Tatsächlich findet sich auf der Homepage des Börsenvereins des deutschen Buchhandels (Preisbindungsglossar) folgender Passus:

„Geschenke, d. h. Zuwendungen, die nicht an den Kauf eines Buches gekoppelt sind, sind preisbindungsrechtlich nicht zu beanstanden. Dies gilt im Prinzip auch dann, wenn Bücher verschenkt werden.“

Ein nettes kleines Schlupfloch: Solange man die Bücher nicht zu günstigeren Preisen anbietet, sondern komplett kostenfrei, ist dies erlaubt. Immerhin folgt noch der Zusatz:

„Bedenken können sich in diesem Fall allenfalls aus wettbewerbsrechtlichen Gesichtspunkten ergeben.“

Die Kindle-Aktion ist also „legal“, wenn auch aus meiner Sicht bedenklich. Sicherlich freut sich jeder von uns über ein paar kostenlose Titel. Allerdings könnte man dann auch bald wieder nachdenklich werden und sich daran erinnern, worum es eigentlich bei der Preisbindung geht…und vielleicht einmal wieder den guten alten Buchladen um die Ecke besuchen 😉

Link zum Preisbindungsgesetz:

http://www.boersenverein.de/de/portal/Preisbindungsgesetz/158337

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