Vollkommen leblos, bestenfalls tot, Antonia Baum

40296_1_baum_bb_web1-1 (2)Achtung: Schwermut…
Die Ich-Erzählerin leidet sichtbar an ihrem doch eigentlich noch jungen Leben. Zu Hause fällt ihr die Decke auf den Kopf, der Vater ist ein Egoist, die Mutter längst abgehauen nach Italien, und mit der neuen Stiefmutter lässt sich allenfalls über so tiefschürfende Themen wie die Inneneinrichtung reden. Nach dem Abitur zieht es Julia sofort in die große Stadt, in der Hoffnung, dort mehr Leben vorzufinden. Doch sie wird bitter enttäuscht. Sie stolpert von einer kaputten Beziehung in die nächste, fühlt sich in ihrem hippen „Ich-mach‘-was-mit-Medien-Job“ gefangen und von den oberflächlichen Kollegen angeekelt. Doch es soll alles noch schlimmer kommen…

Die Geschichte wird komplett aus Julias Perspektive erzählt. Der Stil ist ungewöhnlich, der Rhythmus sehr schnell und treibend. Man hetzt durch das Buch, wie Julia durch ihr Leben hetzt, immer auf der Suche nach dem Lebenswerten, nach sich selbst. Doch nichts scheint ihr Halt zu geben. An einigen Stellen konnte ich gut mir ihr mitfühlen und der triefende Sarkasmus, der sich durch das ganze Buch zieht, passte wie die Faust auf’s Auge zu Situationen, in denen man sich selbst bereits befunden hat. Der Schreibstil nimmt einen oft in seiner Drastigkeit gefangen, vor allem, als Frau Baum eine der brutalsten Gewaltfantasien schildert, die ich bis jetzt gelesen habe (Näheres an dieser Stelle natürlich nicht). Einige Einfälle sind auch, trotz des Galgenhumors, witzig (die Kinder-Katastrophe…)

Doch in vielen Fällen waren Julias Gedanken geradezu unerträglich negativ: Alles und jeder, der ihr über den Weg läuft, zieht sie runter und versaut ihr Leben. Das drückt ganz schön auf die Stimmung und kann zeitweise unglaubwürdig wirken.

Insgesamt: Ein Werk, das Spuren hinterlässt, das man sich jedoch nicht gerade in den eigenen düstersten Stunden vornehmen sollte…

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Verlag: Hoffmann und Campe * HC * September 2011 * 208 Seiten * 978-3-455-40296-4
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