Geisterfjord, Yrsa Sigurdardóttir

19273_Sigurdardottir_Geisterfjord_BS_FIN.inddIm vergangenen Jahr wurde der Gastauftritt der Frankfurter Buchmesse von Island wahrgenommen. Seitdem ist einigen der Perlen isländischer Literatur mehr Aufmerksamkeit geschenkt worden – völlig zurecht! Besonders düster und atmosphärisch sind die Krimis von der kalten Insel. “Geisterfjord” von Yrsa Sigurdardóttir ist da keine Ausnahme…

Zwei Erzählstränge ziehen sich durch das Buch: Da sind zum einen die junge Lehrerin Katrin, ihr Mann und eine gemeinsame Freundin, die ein altes Haus in einem verlassenen Fjord renovieren möchten. Im Winter stehen die übrigen paar Häuser alle leer und sofort packt einen das Unbehagen, denn der Kapitän, der die drei in einer Woche wieder abholen möchte, scheint alles andere als begeistert zu sein, die übereifrigen Städter dort alleine zurückzulassen. Die Gruselatmosphäre entfaltet sich schon bald vollends: Die Handys geben ihren Geist auf, Dielenboden knarren, Muscheln und Holzkreuze tauchen an Orten auf, an denen sie nichts zu suchen haben und die jungen Leute haben das Gefühl, dass sie hier doch nicht ganz alleine sind. Als schließlich selbstgedrehte Videos von einem “Vorgänger” auftauchen, spitzt sich die Lage zu…

Tatsächlich hat all dies eine Verbindung zum zweiten Handlungsstrang, die genial gezogen ist und bis kurz vor Schluss im Dunkeln bleibt. In Isafjördur stehen der Psychologe Freyr und die mit ihm befreundete Polizistin Dagny vor einem Rätsel. Ein Kindergarten wurde völlig verwüstet, die Kinderfotos an den Wänden zerkratzt. Zudem wird der Ort von einer Serie merkwürdiger Todesfälle überschattet. Die Opfer gingen damals alle gemeinsam zur selben Schule – und dies ist noch nicht das Ende der Parallelen. Der nüchterne Freyr hat noch ein zusätzliches Problem: Immer wieder glaubt er plötzlich, seinen vor Jahren verschollenen kleinen Sohn zu sehen. Dabei hatte er doch eigentlich längst mit dieser Geschichte abgeschlossen?

Mich hat dieses Buch mehr als begeistert: Die Spannung bleibt durchweg auf einem hohen Niveau. Die Auflösung überzeugt und lässt dennoch Fragen offen, über die man weiter nachdenken kann. Die mysteriösen Elemente fügen sich sehr gut in die Kriminalgeschichte ein und werden nicht bis ins Unglaubwürdige übertrieben. Dennoch erzeugen sie das kalte Grausen eines guten Horrorfilms. Dafür bietet die karge isländische Landschaft mit ihren einsamen Weiten die ideale Kulisse. Noch ein Tipp zum Schluss: Niemals alleine nach Anbruch der Dunkelheit zu Gemüte führen. 😉

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Verlag: Fischer * TB * September 2011 * 356 Seiten * 978-3-596-19273-1
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