Einer für jede Gelegenheit – Zehn heiße Tipps für Teeliebhaber

Für viele Buchnerds verschmelzen ja Bücher, Schokolade und Tee in einer nahezu heiligen Symbiose. Gerade in den letzten Jahren haben auch wir das aromatische Heißgetränk in seiner ganzen Vielfalt immer mehr schätzen und lieben gelernt. Wer in Norddeutschland lebt kommt um das Thema Tee sowieso nicht herum. Von daher heute mal ein Post etwas abseits der Buchwelt – und irgendwie doch dazu passend…

In Ruhe einen Tee zu trinken ist wie eine kleine Auszeit vom Alltag. Das hat er eindeutig mit der gemütlichen Lektüre, der großen Auszeit, gemein. Dabei gibt es für jede Tageszeit und zu jedem Anlass so etwas wie den passenden Tee. Hier kommen heute also meine ganz persönlichen Lieblinge:

 

Moin moin – noch müde?

  1. Die acht Schätze der Shaolin (grüner Tee, aromatisiert)

Ein schön fruchtiger grüner Tee, der einen sanft in den noch jungen Tag starten lässt. Eine leichte Ananasnote mit Erdbeere und Sonnenblumenblüten. Ein Hauch von Exotik, aber nicht zu quengelig süß für den frühen Morgen. Einfach perfekt und geht eigentlich immer!

 

 

  1. Weißer Tee Jasmin (Teekanne) 

IMG_4096Sehr simpel, ohne viel Schnickschnack, Teebeutel rein für nur drei Minuten und gut. Der Geschmack ist recht neutral, aber dennoch lecker. Mild, leicht anregend und auch auf nüchternen Magen gut verträglich.

 

 

  1. Darjeeling (schwarzer Tee, zum Beispiel von Meßmer)

IMG_4101Wenn es etwas mehr Power morgens sein muss, dann ist schwarzer Tee die richtige Antwort. Hier muss ich allerdings immer aufpassen, dass er nicht zu kräftig gerät, sonst starte ich mit Herzrasen in den Tag und der Geschmack haut mich vor dem Frühstück von den Füßen. Ein Darjeeling ist da genau das Richtige. Die Beschreibung auf der Packung trifft es genau: Blumig-lieblich.

 

 

  1. English Breakfast Tea (schwarzer Tee, Import aus UK)

IMG_4106Wenn es morgens mal ganz schlimm ist mit der Müdigkeit, dann muss die kräftige Variante her. Dieser wunderbare Tee wurde mir von einer Freundin auf Londonbesuch mitgebracht, mitsamt formschöner Dose. Er muss aber durchaus mit Vorsicht genossen werden, wenn man nicht hinterher im Kreis laufen möchte. 😀

 

Darf’s mal was Besonderes sein? Für die Auszeit zwischendurch

  1. Tanz der Beeren (weißer Tee, aromatisiert)

Ein Tee wie ein Stück Kuchen. Ein wenig schwer und man kann nicht ganz so viel davon trinken. Aber für eine große Tasse am Nachmittag perfekt und sooo lecker. Ist ja auch eine geballte Ladung süßer Früchte enthalten: Apfel, Ananas, Mango, Papaya, Himbeere, Erdbeere… Am prägnantesten finde ich geschmacklich die Birne, die bei all dem noch heraussticht. Und die Kornblumenblüten geben ein hübsches Bild dazu ab. Ein absolutes Genießerstück.

 

 

  1. LOVZE100

    Bild: Kusmi Tea

Für die exotische Auszeit. Das war ein Tee, den ich anfangs mehrmals trinken musste, bevor er mir schmeckte. Die Kombination aus Apfel, Orange und Karamell wirkte auf meinen Gaumen zunächst irgendwie ungewöhnlich, aber sehr interessant. Auch eisgekühlt soll er sehr gut schmecken, was ich bislang noch nie probiert habe.

 

 

  1. Irish Malt (schwarzer Tee, aromatisiert)

IMG_4105Mein Lieblingstee ever! Recht kräftig im Aroma, von daher sollte man lieber etwas im Magen haben. Aber der perfekte Begleiter für ein Stück Kuchen und die Teezeit. Schmeckt gar nicht so wirklich nach Whiskey (den ich auch gar nicht mag), dafür schön cremig und nach Schokoschalen (Kakao). Mit braunem Kandis veredelt ein Gedicht.

 

 

 

Wenn die Welt zur Ruhe kommt – der richtige Tee für den Tagesausklang

  1. Fenchel – Anis – Kümmel oder reiner Fenchel (Kräutertee, z. B. von Teekanne)

IMG_4097Viele mögen ihn nicht, ich zuerst auch nicht, und ich habe ihn am Anfang nur notgedrungen getrunken bei Krankheit. Das hat sich aber schnell geändert. Der perfekte Gute-Nacht-Tee, auch noch für den Nachttisch, denn man kann ihn auch nach dem Zähneputzen trinken. Er hat einen süßlichen Eigengeschmack und braucht eigentlich keinen Zucker. Ideal, wenn einem das Abendessen oder der Tag ein wenig quer im Magen liegen.

 

  1. Südafrikanischer Ovambo (Roiboos-Vanille, von Meßmer)

Vielleicht manchmal ein wenig künstlich im Geschmack, aber ich liebe Vanille und so ein warmer, milder Roiboos-Tee nach dem Abendessen ist nie verkehrt. Dazu ein gutes Buch…

 

  1. Ruhe & Gelassenheit (Kräutertee, DM)

IMG_4100Wenn ich gut schlafen will, meine absolute Geheimwaffe. Ein große Tasse und ich muss aufpassen, dass ich die Nacht nicht auf dem Sofa verbringe. Ein großartiger Tee zum Runterkommen und ebenfalls mit einer dezent süßlichen Note, die jeglichen Zuckerzusatz überflüssig macht. Die Zutaten unter anderem: Zitronenmelisse,Roiboos und Passionsblumenkraut.

 

 

Vielleicht sind ja ein paar schöne Tipps für euch dabei? Habt ihr auch tolle Tee-Geheimtipps auf Lager? Ich freue mich über Kommentare und Anregungen!

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Aktionen: Geh‘ doch mal wieder in die Buchhandlung – zum Puzzlen

Ich bin ein großer Puzzlefan und gleichzeitig als Buchhändlerin eine natürliche Verfechterin des stationären Sortiments. Also muss ich einfach kurz auf diese gelungene Aktion hinweisen, die von der Buchhandlung „Lesezeichen“ aus Germering durchgeführt wurde und leider bereits wieder beendet ist.

Einen ausführlichen Bericht findet ihr hier auf Börsenblatt.net.

Die Buchhandlung stellte in ihrem Eingangsbereich ein 2.000-Teile-Puzzle zum Knobeln zur Verfügung. Jeder Kunde durfte sich daran versuchen und für jedes gelegte Teil verpflichtete sich die Buchhandlung zur Spende von zehn Cent für die örtliche Wasserwacht. Eine Woche lief die Aktion und tatsächlich wurde das Puzzle in dieser Zeit von den engagierten Besuchern komplett fertiggestellt. Ravensburger stiftete übrigens das wunderbar passende Motiv:„Die Welt der Bücher“

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Eine richtig schöne Idee, das mit dem guten Zweck sowieso, aber auch die Botschaft: Rafft euch doch mal wieder auf und schaut persönlich in eurer Buchhandlung vorbei. Da gibt’s nicht nur die Bücher sondern auch noch so einiges mehr, was das Herz des Bibliophilen höher schlagen lässt, direkt zum Anfassen, Durchstöbern und manchmal sogar zum Ausprobieren.

Und jetzt hab ich Lust auf dieses Puzzle bekommen…bestelle ich gleich morgen bei A…

Ne, kleiner Scherz, musste sein 😉

Jahresrückblick 2017

Sicherlich bin ich mal wieder (sehr) spät dran und dennoch wollte ich die Gelegenheit nicht verpassen, allen Lesern noch ein gutes neues Jahr 2018 zu wünschen!

Tatsächlich lebe ich noch und habe auch nicht vor, diesen Blog sterben zu lassen. Dafür steckt definitiv zu viel Herzblut darin.

Was also war los in 2017?

Um es mal so zu sagen: 2017 startete mit viel Wasser und Zerstörung in unserem Keller und endete mit dem Crash eines Umzugswagens und noch viel mehr zerstörtem Mobiliar. Wenn ich dann noch bemerken darf, dass diese Ereignisse an und für sich noch nicht die „Highlights“ des Jahres darstellten, dann wird vielleicht verständlich, warum sich hier so lange nichts getan hat. Wir haben lange darauf gewartet, dass die Katastrophensträhne endlich versiegt, und 2018 scheint uns bislang diesen Gefallen zu tun 😊

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Wir haben im Übrigen, nicht ganz freiwillig, dem kühlen Norden den Rücken gekehrt und in der „badischen Toskana“ eine neue Heimat gefunden. Das Meer ist ja schon nett, kann es aber mit Bergen, Kulturlandschaften und schönem Wetter dann doch nicht ganz aufnehmen. 😉 Also, wir fühlen uns jedenfalls bislang pudelwohl in der neuen Umgebung und sind jetzt schon ganz erstaunt, wie immens die Mentalitäten zwischen Nord und Süd tatsächlich differieren. Dazu vielleicht an anderer Stelle zu einer anderen Zeit gerne mehr…

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Gelesen habe ich 2017 in erster Linie Kinderbücher 😉 Es ist wunderschön zu sehen, wie sehr sich unsere Kleine schon im zarten Alter für Geschichten, Bilder und das geschriebene Wort begeistern kann. Ich plane zu diesem Thema definitiv noch einen eigenen Beitrag. Ansonsten liegen immerhin zwei ausgelesene Erwachsenenbücher zum Rezensieren bereit.

Und was erwartet euch 2018 hier sonst noch so?

In erster Linie hoffentlich wieder mehr Beiträge…Neben den Rezensionen möchte ich auch gerne Beiträge zu verwandten Rubriken verfassen. So lauern in meinem Ordner noch diverse halbfertige Artikel, beispielsweise zu den Themenbereichen Tee, Film und Serien. Des Weiteren schwebt mir eine Miniserie zum Thema „Berufe in der Buchbranche“ vor. Außerdem möchte ich zwischendurch ein wenig Reiseblog sein, gelungene Fotos einstellen, über Kultur und Mentalitäten schreiben, denn in den vergangenen Jahren sind wir kreuz und quer durch dieses Land gezogen und haben dabei so vieles erlebt, gesehen und erfahren, dass ich gerne etwas davon teilen möchte.

Ich habe mir also viel vorgenommen und hoffe doch sehr, zumindest einen Teil davon tatsächlich umsetzen zu können. Packen wir’s an! Ich wünsche auch allen Lesern dieses Jahr viel Kraft, neue Projekte anzugehen und eure Vorhaben zu realisieren.

Beste Grüße

Eure Aliénor

Jahresrückblick 2016

Geschätzte, treue Leser, zunächst einmal wollte ich euch allen ein frohes, buchreiches neues Jahr 2017 wünschen!!! Wenn auch mit etwas Verspätung, so wollte ich mir einen Rückblick auf das ereignisreiche Jahr 2016 dann doch nicht nehmen lassen.

Ereignisreich – dieser Beschreibung wird mein Blog seit geraumer Zeit leider nicht mehr gerecht. Dafür kam man als einigermaßen politisch interessierter Mensch kaum drum herum, das vergangene Jahr als historisch zu begreifen. Flüchtlingskrise, Rechtspopulismus, Europakrise, islamistischer Terrorismus, Brexit, Trump, Türkei…Es scheint an allen Ecken und Enden zu brennen und ich muss gestehen, dass ich noch nie so pessimistisch in einen Jahreswechsel hineingegangen bin, wie in diesen. Hoffen wir einfach, dass sich vielleicht doch Besserung an der einen oder anderen Front einstellt.

Persönlich war mein 2016 einigermaßen durchwachsen und hat vielerlei Anlass zum Nachdenken geboten. Auf der Plusseite: Unsere kleine Tochter ist mein absoluter Sonnenschein und Glücksfaktor Nummer eins, genau wie mein großartiger Mann. Da wir eine recht gute Betreuung gefunden haben (leider manchmal mit Abstrichen in der B-Note), konnte ich meinen alten Job mit den geliebten Kollegen wiederaufnehmen. Das macht richtig Spaß und tut gut. Jobtechnisch darf ich also weiterhin in der Buchbranche unterwegs sein, was ich sehr schätze.

Kommen wir nun zum Bücher- und Bloggerjahr 2016.

Das war, wie schon gesagt, weit weniger aufregend. Ich hoffe sehr, dass ich 2017 sukzessive wieder mehr Zeit in Bücher und Rezis investieren kann. Einer meiner festen Vorsätze für das neue Jahr. Jaja…wir werden sehen. Der Blog geht ja nun schon in sein sechstes (wow…) Jahr und ich bin trotz der wenigen Zeit für Beiträge froh, dass ich ihn zwischendurch nicht aufgegeben habe.

Vergangenes Jahr ist es tatsächlich häufiger passiert, dass mir von Autoren und Verlagen Rezensionsexemplare angeboten wurden. An dieser Stelle muss ich mich einmal ganz dolle dafür entschuldigen, dass ich oft lange gebraucht habe und am Ende auch schon mal ganz vergessen habe, auf die Anfragen zu antworten. Prinzipiell nehme ich gerne auch weiterhin Anfragen entgegen. Möglicherweise finde ich im neuen Jahr doch auch einmal Zeit für diese Dinge. Tatsächlich hatte sich unter den Angeboten von 2016 nichts gefunden, das mich so sehr gereizt hätte, dass ich dafür bereit gewesen wäre alles stehen und liegen zu lassen.

Zeit zum Stöbern hatte ich auch nicht so viel, dennoch ist mir der eine oder andere schöne Blog ins Auge gefallen und meine Linkliste bedürfte dringend einer Aktualisierung.

Sehr glücklich bin ich darüber, dass sich trotz der geringen Beitragsdichte hier immer noch regelmäßig einige Leser „verirren“ und auch ein paar Follower hinzugekommen sind. Das sorgt immer wieder für Motivation. Danke!

Die Statistik ist richtig mies: Gerade einmal drei Buchrezensionen und eine Filmbesprechung. Das kann ja eigentlich fast nur besser werden… Unter den mickrigen drei Büchern hat sich auch kein nennenswerter Knüller befunden. Ach, 2017, ich setze all meine Hoffnungen in dich! 😀

Die Wand, Marlen Haushofer

9783548605715_coverDas Buch wollte ich schon länger einmal lesen und der Film von 2012 hatte mir das noch einmal in Erinnerung gerufen. Übrigens stelle ich gerade mit Erstaunen fest, wie alt das Werk bereits ist: Erstveröffentlichungsjahr 1963. Zu neuer Popularität hatte ihm Elke Heidenreich 2004 in der ZDF-Sendung „Lesen!“ verholfen und nicht zuletzt die Verfilmung hat die bis dahin als unverfilmbar geltende „Wand“ wieder auf die Stapeltische der Buchläden gehievt.

Darum geht’s:

Eine namenlose Frau bleibt alleine auf einer Berghütte zurück, als das befreundete Paar, bei dem sie zu Gast ist, einen Ausflug macht. Sie kehren nicht zurück und die Frau muss erstaunt feststellen, dass sie über Nacht von einer unsichtbaren Mauer umgeben ist jenseits der alles Leben erstarrt ist. In ihrer kleinen, begrenzten Welt scheint sie die einzige menschliche Überlebende zu sein. Tiere wie der Hund Lux, die Hauskatze oder später die Kuh Bella sind ihre einzigen Begleiter. In einer Art Tagebuch, in Rückblenden erzählt, beschreibt sie eindringlich die Widrigkeiten, mit denen sie fortan zu kämpfen hat: Die Rauheit der Natur mit all den schwierigen Witterungen, die das Gebirge mit sich bringt, die eigenen, begrenzten körperlichen Fähigkeiten. Die schwersten Kämpfe hat sie allerdings mit sich selbst auszufechten…

Fabelhaftes:

Robinson Crusoe und ähnliche Werke habe ich bereits gelesen und der Aspekt des Überlebens unter widrigen Umständen hat mich immer fasziniert. Hier liegt der Fokus jedoch nicht so sehr auf dem rein physischen Überleben, sondern vielmehr auf dem Überleben als Mensch, dem Bewahren von Seele und Hoffnung. Einsamkeit und ständige Unsicherheit – Wie geht es weiter? Wird sich an der Situation jemals etwas ändern? – nagen beständig an der Fassade des Charakters. Die namenlose Frau droht zunehmend, sich selbst zu verlieren. Der Kampf um die eigene Seele, den Verstand und die Menschlichkeit ist eine der großen Stärken des Romans und hebt ihn wohltuend von anderen Robinsonaden ab.

Interessant ist in der Hinsicht auch die Bindung zu den Tieren, die unweigerlich mangels menschlicher Kontakte entsteht und die der Protagonistin Halt gibt. Und manchmal sind Tiere tatsächlich einfach die besseren Menschen, wenn man sich Lux so ansieht. Faszinierend: Obwohl sie nicht sprechen können, verleiht ihnen die Berichtschreiberin eine solche Tiefe, dass sie bald problemlos als Nebencharaktere den Roman mittragen. Eine spannende Frage wäre noch, ob die Tiere ein Stück weit verschiedene Facetten der zerfallenden Persönlichkeit der Einsiedlerin widerspiegeln sollen, denn schließlich interpretiert sie in die stummen Begleiter selbst gewisse Charaktereigenschaften hinein – sogar in die still grasende Kuh – und vermenschlicht sie stark.

Weniger Fabelhaftes:

So sehr der Fokus auf dem Innenleben der Protagonistin eine der Stärken des Romans darstellt, so wandelt sich genau dies irgendwann zu seiner größten Schwäche, nämlich dann, wenn die inneren Konflikte nach über 100 Seiten anfangen zu langweilen und die mechanische Routine, in die der Alltag der Protagonistin verfällt, ebenfalls keine neue Spannung aufkommen lässt. Stück für Stück verliert das Szenario an Reiz. Man spürt, dass sich Düsteres zusammenbraut während der Frau im Schneckentempo Menschsein und Emotionalität entgleiten. Und doch, irgendwann beginnt man sich zu fragen wo die Autorin schließlich ankommen möchte. Passiert da noch etwas, gibt es ein Finale mit Paukenschlag?

Nachdem ich so lange durchgehalten hatte, wurde ich dann enttäuscht und ich weiß immer noch nicht so ganz, was ich vom Ende halten soll. Ich hätte es fast konsequent (wenn auch nicht befriedigend) gefunden, wenn der Bericht einfach auf ganz unspektakuläre Art und Weise abbricht. Der Vorfall, der auf den letzten Seiten beschrieben wird, war dann aber weder Fisch noch Fleisch. Fand nur ich das Ende surreal und war sich nicht sicher, inwieweit das Geschehen eher einem Hirngespinst der Protagonistin entsprungen ist? Eine Antwort auf diese Frage gibt es nicht mehr und der Bericht ist im Anschluss tatsächlich einfach zu Ende. Puh…

Summa summarum:

Wer einen Abenteuer- oder Mysteryroman sucht, der ist hier definitiv falsch. Das Buch lässt mich auch Monate später unentschlossen zurück, denn so fesselnd das Ausgangsszenario ist, so sehr verliert man sich als Leser irgendwann in Monotonie und Gefühlswirrwarr der sich zunehmend von sich selbst entfremdenden Protagonistin. Das hat zwar einerseits handwerklich etwas Meisterhaftes, steigert andererseits nicht gerade das Lesevergnügen. Das Ende habe ich dann schlichtweg nicht verstanden. Zum allerersten Mal in der Bloggeschichte vermag ich also überhaupt keine Wertung abzugeben.

Verlag: List * TB * November 2004 * 288 Seiten * 9783548605715

Wovon wir träumten, Julie Otsuka

Wovon wir traeumten von Julie OtsukaUnd raus mit der nächsten – jetzt geht es Schlag auf Schlag hier…

Der Tipp einer ehemaligen Kollegin hatte mich damals zu dem Buch greifen lassen. Außerdem: Frauenschicksale, historischer Stoff, mal etwas exotischer, nämlich japanisch-amerikanische Geschichte – das alles klang vielversprechend. Und natürlich das wunderbare Kirschblütencover, der Einband aus hochwertigem „Holmen Book Cream – Papier“ (kein Witz, aber fühlt sich toll an). Auf dem Cover prangt ein Zitat von Christine Westermann: „Berührt das Herz“. Nun ja, da ging es mir leider anders.

Darum geht’s:

Kurz gesagt, um das Schicksal zahlreicher junger Japanerinnen, die sich zwischen den Weltkriegen auf dem beschwerlichen Seeweg in Richtung USA aufmachen. Dort erhoffen sie sich ein besseres Leben, eine verheißungsvolle Zukunft, an der Seite eines stattlichen, wohlsituierten Mannes. Dass die Heiratsvermittler den Frauen das Blaue vom Himmel versprochen haben und die Realität ganz anders aussieht, ahnen sie zunächst nicht…

Fabelhaftes:

Die Ausgangssituation macht neugierig, man möchte wissen, wie es den Frauen ergehen wird und was sie in den USA erwartet. Wie man schon ahnt ist das in den meisten Fällen nichts wirklich Gutes und sie fristen fortan ein Dasein als faktische Arbeitssklavinnen unter teils schockierenden Umständen. Dennoch sind nicht alle Schicksale düster und grau gezeichnet, es gibt auch Damen, die Glück und Zufriedenheit finden oder die sich zumindest mit den Umständen arrangieren können. Ein wenig Hoffnung und Farbe steckt also selbst in diesem dunklen Kapitel der Geschichte. Es war sehr interessant zu erfahren, wie unterschiedlich diese Schicksale sein konnten und wie sehr sich die Leben der Frauen unterschieden, je nachdem ob sie einen reichen oder armen, einen liebevollen, gleichgültigen oder gar brutalen Mann abbekommen haben, in welche Gegend sie gezogen sind oder in welchen Berufen sie – meistens unfreiwillig – tätig werden mussten. Im Grunde herrscht in der neuen Heimat dieselbe willkürliche Ungleichheit, der sie entflohen sind, dieselben Zwänge durch äußere Umstände, an denen sie schon in Japan nicht viel ändern konnten. „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied“ ist jedenfalls nicht gerade der Gedanke, der hinter den einzelnen Biographien steht. Das zieht sich durch bis zum Ende mit der (Achtung: Spoiler) Internierung der japanischen Bevölkerung in Lagern während des Zweiten Weltkriegs. (Spoiler Ende) Ein historisches Kapitel, zu dem ich bis dato noch sehr wenig gehört geschweige denn gelesen habe. Die Lektüre hat mein Wissen über dieses Thema allerdings nicht wesentlich vertieft, womit ich direkt zum nächsten Punkt komme…

Weniger Fabelhaftes:

Sehr gestört hat mich der Schreibstil, der auf den rund 150 Seiten konsequent durchgehalten wird. Es werden nur selten Namen genannt, sondern vor allem Schicksale an Schicksale gereiht. Jeweils nur kurze Schlaglichter werden auf gesichtslose Frauen geworfen, die vielfach mit „eine“ betitelt sind oder gar im „wir“ untergehen. Im Grunde ist das Buch nicht mehr als eine gigantische Aufzählung, die, so ging es zumindest mir, irgendwann nur noch langatmig wirkte und schwer zu lesen ist:

Eine von uns machte den Fehler, sich in ihn zu verlieben, und sie denkt noch immer Tag und Nacht an ihn. Eine von uns gestand alles ihrem Mann, der sie mit einem Besenstiehl verprügelte und sich anschließend hinlegte und weinte. Eine von uns gestand alles ihrem Mann, der die Scheidung einreichte und sie zurück zu ihren Eltern nach Japan schickte, wo sie jetzt täglich zehn Stunden in einer Seidenspinnerei in Nagano arbeitet. Eine von uns gestand alles ihrem Mann, der ihr verzieh und anschließend ein paar eigene Fehltritte gestand.“ (S. 61/62)

Auf der einen Seite wird so deutlich gemacht, wie groß die Zahl der Betroffenen dieses fast vergessenen Kapitels amerikanischer Geschichte war. Auf der anderen Seite entsteht aber eine emotionale Distanz zu den Geschehnissen und Opfern, die wie mit einer großen Gießkanne über dem Leser ausgekübelt werden. Echte Empathie zu entwickeln ist da nicht ganz einfach.

Summa Summarum:

Interessantes historisches „Nischenthema“, stilistisch unglücklich aufgearbeitet. Das hat mich so sehr gestört, dass es leider nur für zwei Koalas reicht.

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Verlag: Goldmann * TB * März 2014 * 160 Seiten * 978-3-442-47968-9

Föhn mich nicht zu, Stephan Serin

Föhn mich nicht zu, Stephan SerinUiuiuiui…es wird definitiv Zeit, die angesammelten Rezis vom Stapel zu lassen. Ich mache heute mal den Anfang mit einer, die schon sehr lange auf meinem Rechner geparkt wartet:

Schon seit Jahren sind sie aus dem Humorregal nicht mehr wegzudenken, die „Kriegsreporte“ von Lehrern an deutschen Problemschulen. Gespickt mit Anekdoten über verblödete Schüler, die keinen korrekten deutschen Satz mehr herausbekommen und Schiller für eine deutsche Popband halten. Die ihren Lehrern mit mangelndem Respekt das Berufsleben noch mehr zur Hölle machen, als es unsolidarische Kollegen und überengagierte Eltern sowieso schon tun. Ob man darüber nun lachen oder doch eher weinen sollte? Bastian Bielendorfer, Frau Freitag, Fack ju Göte und jetzt auch noch Stephan Serin. Lohnt sich das?

Darum geht’s:

Stephan Serin beschreibt hier in kurzen Kapiteln und mit vielen Grafiken anschaulich aufgepeppt seine Zeit als Referendar für Französisch und Geschichte an der Werner-Heisenberg-Schule in Berlin-Mitte. Vom „freundlich“ formulierten Zulassungsbescheid bis zum letzten Tag, an dem die Schüler den Klassenraum verlassen, als wäre nix gewesen, spannt er seinen Handlungsbogen. Dabei macht Serin schnell klar, dass die chaotischen Schüler oft noch das geringste Problem im deutschen „Ref“ darstellen: Wenig hilfreiche Lehrerkollegen, kleinkarierte Seminarleiter, antiquierte und praxisferne Ausbildungspläne, eine Arbeitsflut, unter der jede Beziehung nur leiden kann und, natürlich, die vielgescholtenen Eltern tragen dazu bei, dass Serin das Referendariat in seinem Glossar mit den Synonymen „Hölle“ und „schlimmste Zeit meines Lebens“ etikettiert.

Fabelhaftes:

Trotz der drückenden Probleme malt Serin seine Zeit an der Schule nicht nur in schwarzen Farben und berichtet beinahe liebevoll über die „Macken“ seiner Problemschüler, die er dennoch aus vielerlei Gründen ins Herz geschlossen hat und für die er seinen Beruf weiterhin verfolgen möchte. Er selbst sieht sich nicht ohne Fehl und Tadel, noch handelt und denkt er stets politisch korrekt. Erfrischend ehrlich gesteht er, warum ihm zu gute Schüler insgeheim eigentlich verhasst sind, und zeigt, wie man sich, mal mehr, mal weniger erfolgreich, mit den größten Schulchaoten verbünden muss, um dem täglichen Wahnsinn im Klassenzimmer wenigstens in Teilen Herr zu werden. Die einzelnen Kapitel sind angenehm kurz und schnell zu lesen. Sie beschäftigen sich mit allen wesentlichen Facetten einer Referendarzeit bis hinein ins Privatleben und runden das Gesamtbild des Kosmos Schule wunderbar ab.

Weniger Fabelhaftes:

Betrachtet man die Aufmachung des Buches mit den karikaturenhaften Bildern und markigen Kapitelüberschriften, so hatte ich deutlich mehr Witz erwartet. Im Kern ist das Thema doch eher ernst und mit viel Zynismus aufgearbeitet. Für mich klingt es fast so, als hätte sich Stephan Serin hier seine Referendarzeit mal so richtig von der Seele geschrieben. Das kann man natürlich machen und ist ja an sich nicht verkehrt, zumal im System Schule und ganz besonders in der Lehrerausbildung bekanntermaßen so einiges im Argen liegt, das nach Verbesserung schreit. So richtig in allen Facetten nachvollziehbar wird die Lektüre aber wohl nur für Kollegen oder Beinahe-Kollegen wie mich sein, die mit der grauen Theorie einigermaßen vertraut sind und beispielsweise schon einmal einen Unterrichtsentwurf nach den gestrengen und teilweise absurd anmutenden Regeln der Kunst verfassen mussten 😀 Das Zielpublikum sind also eher Leidensgenossen im Lehrerberuf oder solche, die es werden wollen…

Summa summarum:

Kurzweilige Abrechnung mit den Missständen an deutschen Schulen, im etwas unpassenden Gewand eines Taschenbüchleins aus der Humorecke.

Wem’s gefällt, der kann sich gleich auch noch den Nachfolgetitel bestellen: „Musstu wissen, weißdu? Neues aus den Niederungen deutscher Klassenzimmer“ Übrigens arbeitet der Autor tatsächlich immer noch als Lehrer…er hat also erfolgreich überlebt 😉

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Verlag: Rowohlt * TB * September 2010 * 255 Seiten * 978-3-499-62670-8